26.04.2017, 13:39 Uhr

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"The Missing": Die Hoffnung stirbt zuletzt

In der britischen Krimiserie "The Missing" (neue Folge am 30.4., 22.00 Uhr im ZDF) verschwindet der kleine Olly während des Familien-Urlaubs in Frankreich. Jahre später nehmen der Vater (James Nesbitt) und Ermittler Julien Baptiste (Tchéky Karyo) die Spur wieder auf … TVdirekt sprach mit Tchéky Karyo über die Kraft der Hoffnung und die Parallelen zum Fall Maddie McCann - das Mädchen, das 2007 verschwand und bis heute nicht gefunden wurde.


Was in "The Missing" den Vater und den Ermittler verbindet, ist die Hoffnung, den vermissten Jungen auch sechs Jahre nach seinem Verschwinden wiederzufinden…


Tchéky Karyo: Die Hoffnung ist der Motor, ein quälend ratternder Motor, der die beiden gegen alle Widerstände und Rückschläge immer wieder von neuem antreibt, nicht aufzugeben. Das unterscheidet die The Missing von klassischen Krimiserien, die ein Verbrechen aufklären. Hier besteht immer noch die Hoffnung, dass kein Verbrechen geschehen ist.

 

Bei der Ausstrahlung in Großbritannien saßen bei jeder Folge mindestens sieben Millionen Menschen vorm Fernseher. Was macht die Serie so fesselnd?


Den Autoren Jack und Harry Williams ist eine hochemotionale Geschichte gelungen, die uns mitten in diese Familientragödie katapultiert und mit sich reißt. Das Publikum wird zum Verbündeten der beiden Hauptfiguren, es wird zum dritten Fahnder auf der Suche nach Olly. Außerdem ist James Nesbitt als unerschütterlich suchender Vater so sensationell gut, dass für den Zuschauer unmöglich wird, nicht mit ihm zu fühlen.


Sie sind selbst Vater von zwei halbwüchsigen Kindern. Fiel es Ihnen schwer, sich mit so einem Horror-Thema für Eltern zu konfrontieren?


Das war wirklich nicht einfach. Weder für mich noch für John Nesbitt, der Vater von zwei Töchtern ist. Ich habe deshalb anfangs sogar gezögert, die Rolle anzunehmen. Uns allen half nur, bei der Darstellung möglichst wenig aus der eigenen Realität als Vater zu schöpfen, um eine möglichst große Distanz zwischen Fiktion und Wirklichkeit zu bringen. Denn wenn man sich zu intensiv mit diesem Thema befasst, kann man leicht paranoid werden.

 

Bei aller Fiktion erinnert die Serie aber doch an den realen Fall der kleinen Maddie McCann, die 2007 aus dem Urlausdomizil ihrer Eltern verschwand.

 

Die Serie ist nicht nur von diesem Fall inspiriert, sondern von vielen Fällen, in denen Kinder spurlos verschwinden. Allein in Großbritannien bleibt jedes Jahr über 1000 Elternpaaren nur die Hoffnung, weil ihre Kinder einfach nicht aufzufinden sind.

 

Interview: Sabine Krempl

Foto: © ZDF und Jules Heath