11.12.2016, 03:08 Uhr

Interview mit Til Schweiger

 

INTERVIEW TIL SCHWEIGER 

 

TVdirekt: Stand von Anfang fest, dass Ihre Tochter Emma Tiger in „Kokowääh“ die Magdalena spielen soll? 
Til Schweiger; Als ich mit dem Drehbuch angefangen habe noch nicht. Doch dann haben wir mehrere Szenen zusammen gelesen und geprobt. Dabei hat sie so eine Lust entwickelt, den Film zu machen. Und ich fand sie so toll, dass ich gesagt habe, wir machen den Film mit Emma.

Mussten Sie Ihre Tochter überreden? 
Nein, dass hätte ich auch nie gemacht. Wenn sie gesagt hätte, sie hat keine Lust, dann o.k. Bei „Keinohrhasen“ war das so. Zuerst wollte sie die Rolle unbedingt spielen, dann drei Wochen vor Drehstart hatte sie keine Lust mehr, daraufhin fingen wir an Ersatz für sie zu suchen. Zum Glück hat sie es sich dann wieder anders überlegt. 

 

Ist es schwieriger mit der eigenen Tochter zu drehen? Ist man nachsichtiger? 
Weder strenger noch nachsichtiger. Man ist generell nachsichtiger mit Kindern, weil Kinder nicht funktionieren wie ein Profischauspieler. Für das Kind steht das Spiel im Vordergrund. Was ja was Tolles ist. Es heißt ja nicht umsonst Schau – SPIEL!

 

Würden Sie ihr zuraten, wenn sie kommt und später mal Schauspielerin werden möchte? 
Emma ist acht! Da stellt sich die Frage noch nicht. Und wenn sie es sagt, nehme ich das noch nicht ernst. Wenn sie mit 16, 17 immer noch Schauspielerin werden will, warum nicht. Sie hat ja schon eine ganze Menge Erfahrung.

 

Mit „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ hatten Sie Riesenerfolge. Ist Erfolg eine Belastung? 
Auf keinen Fall. Man muss es eher so sehen, dass wir mit den beiden Filmen einen Riesenerfolg hatten, den uns keiner mehr wegnehmen kann. Auf der anderen Seite ist man natürlich immer enttäuscht, wenn ein Film vom Publikum nicht angenommen wird, egal ob man davor fünf Millionen oder nur 100.000 Zuschauer hatte. 

 

Kommt der dritte Teil nun Ende des Jahres in die Kinos? 
Nur wenn wir ein wirklich tolles Drehbuch hinkriegen. Das weiß man aber zu Beginn natürlich noch nicht. Eine Mogelpackung wie den dritten Teil von „Meine Braut, ihr Vater und ich“ will ich auf keinen Fall ins Kino bringen. 

 

Kann Erfolg auch ein Fluch sein? 
Fluch würde ich nicht sagen. Mit dem Erfolg kommt aber viel Missgunst und Neid. Es gibt viele, die einem einfach nicht gönnen, was man erreicht hat. Aber damit muss man leben. 

 

Ist es dann ein Fluch prominent zu sein? 
Auch das ist kein Fluch. Es nervt manchmal, wenn ich abgespannt und müde bin, oder schnell von A nach B muss und es quatscht mich jemand an, der mir nicht mehr von der Pelle weicht. Doch eigentlich kommen die Leute ja, weil sie das gut finden, was man macht. Es ist also eine Bestätigung meiner Arbeit und das ist natürlich toll. Ich gebe mit wirklich Mühe jedem sein Autogramm zu geben und mit jedem ein Foto zu machen.

 

Sie sind von Hamburg nach Berlin gezogen. Ist es in der Hauptstadt einfacher prominent zu sein? 
Auf jeden Fall. In Berlin läuft dir an jeder Ecke ein Prominenter über den Weg. Da dreht sich der Berliner gar nicht mehr um. Man darf halt nicht auf den Ku’damm gehen, da sind wieder jede Menge Touristen unterwegs, die scharf auf ein Autogramm sind. Aber auch in Hamburg war es einfach. Die Hamburger sind so schön zurückhaltend. Als ich aber bei den Dreharbeiten zu „1 ½ Ritter“ mit Thomas Gottschalk in der Fußgängerzone von Quedlinburg saß, da war das ein Riesending. 

 

Sind Sie denn oft in Szenetreffs unterwegs? 
Ab und an geh ich schon mal ins „Borchardt“ aber nicht so oft wie viele andere. Und es gibt gewisse Adressen, die ich meide. Das hat auch mit dem Alter zu tun. Früher war ich jeden Abend in Discos unterwegs, heute gehe ich vielleicht ein- zweimal im Jahr in eine Disco. 

 

Die Casting-Show „Mission Hollywood“ war ein Flop. Nehmen Sie so was persönlich?
Das hat mich eher traurig gemacht, denn ich fand die Show super und sie hat mir wahnsinnig Spaß gemacht. 

 

Sie haben in vielen internationalen Produktionen gespielt. Haben sie bei der Rollenwahl immer die richtigen Entscheidungen getroffen? 
Sicher nicht. Aber das lag oft gar nicht an den Rollen selbst, sondern an der vielen Zeit, die es gekostet hat sie abzudrehen. Da sitzt man dann für ein paar Drehtage einfach ein halbes Jahr fest, kann keine anderen Rollen annehmen und darf nicht mal kurz nach Hause fliegen. Und in manche Rollen habe ich mich von meiner Agentur einfach reinquatschen lassen. „King Arthur“ ist nicht so toll geworden, weil man unbedingt eine Jugendfreigabe wollte und „Tomb Raider“ ist einfach Mist.

 

Denken Sie noch manchmal an Ihre Anfänge in „Lindenstraße“ oder „Manta, Manta“ zurück? 

An „Manta, Manta“ denke ich in letzter Zeit natürlich öfter, denn ich möchte noch immer eine Fortsetzung drehen. Aber es fehlt noch an einem guten Drehbuch. „Lindenstraße“ muss ich nicht noch mal haben. Aber ich bin dankbar, dass ich damals mitmachen konnte. Es war ja schließlich der Anfang meiner Karriere.

 

Was tun Sie, wenn Sie mal abschalten wollen? 

Ich gucke wahnsinnig gerne Filme und kann mich gut entspannen, wenn ich Sport mache, mit dem Hund rausgehe oder die Kinder um mich habe – und wenn ich mit meiner Freundin im Bett liege. 

 

Interview: Michael Kubath

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