04.12.2016, 00:53 Uhr

Interview mit Henning Baum

DER HAT ALLES IM GRIFF

Egal, ob als Draufgänger oder Liebhaber, SAT.1-Bulle HENNING BAUM tut eben, was getan werden muss

Als schneidiger 80er-Jahre-Macho Mick Brisgau hat Henning Baum in „Der letzte Bulle“ ein Millionenpublikum erobert. Jetzt spielt der Serien-Draufgänger in der ZDF-Romanverfilmung „Niemand ist eine Insel“ die Rolle des liebevollen Philip. Passt das? TVdirekt sprach mit dem 38-Jährigen während der Dreharbeiten zur SAT.1-Abenteuerkomödie „Mein indisches Dorf“ in der indischen Metropole Mumbai …

Wie erleben Sie Indien, Herr Baum?
Unsere Kultur neigt ja eher dazu, präzise Regeln aufzustellen. Dagegen wirkt hier alles völlig chaotisch. Wie auch im Straßenverkehr: Hier fahren alle kreuz und quer, nachts sogar ohne Licht und eine rote Ampel ist völlig frei interpretierbar…

Und ausgerechnet da spielen Sie einen Trucker…
… einen der mit seinem  Truck von Deutschland über die Türkei, den Iran und Pakistan nach Indien kommt, um dort eine  Speditionsunternehmen aufzubauen. Aber das läuft natürlich nicht alles so, wie er sich das vorstellt…

Ich habe gelesen, Sie wollen keine Liebesgeschichten mehr drehen. Ganz ohne wird es in "Mein indisches Dorf" aber nicht gehen, oder?
Keine Liebesgeschichten mehr? Das stimmt ja so gar nicht! Klar entwickelt sich in dem Film nach anfänglichen Animositäten eine gewisse Zuneigung zwischen mir und Wolke Hegenbarth…

In "Niemand ist eine Insel" spielen Sie Philip, den Mann an der Seite der großen Diva Sylvia Moran, gespielt von Iris Berben (siehe Foto). Ein echtes Kontrastprogramm zu "Der letzte Bulle".
Wie Philip Silvia abschirmt, sie beschützt, ihr ein echtes Leben ermöglicht, sich selbst zurücknimmt, da liegt viel Hingabe drin. Und da mich die Menschen zurzeit vor allem als Mick Brisgau kennen, ist es besonders schön, so einen Gegensatz zu spielen.

Als "Der letzte Bulle" erfüllen Sie SAT.1 aktuell die kühnsten Quotenwünsche. Schauen auch Ihre Freunde die Serie?
Meine Freunde schauen sich das gerne an, sagen mir ganz genau, was sie gut fanden, was ihnen nicht gefallen hat, worüber sie gelacht haben. Manchmal entdecken sie natürlich auch Sprüche oder Eigenheiten die sie an mir kennen.

Wie ähnlich sind Sie selbst Mick Brisgau?
Ich kann zumindest sagen, dass ich als Mick nichts spiele, was mir nicht bekannt ist. Ich muss für die Rolle nichts erfinden. Aber darauf achte ich bei meiner Rollenauswahl sowieso. Ich suche mir Figuren aus, für die ich auf meinen eigenen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann. Und das trifft auf Mick genauso zu wie auf Philip.

Gehen die Ähnlichkeiten zu Mick bis zum Rauchen, knackigen Sprüchen, Cowboystiefel tragen und Opel Diplomat fahren?
Weder Rauchen, noch Cowboystiefel, noch Opel Diplomat. Ich bin definitiv nicht Mick Brisgau!

Fürchten Sie nicht bisweilen, Ihr Erfolg als Bulle drücke Ihnen für immer den Stempel des 80er-Jahre-Machos auf?
Es ist ja erstmal sehr viel Arbeit zu vollbringen bis man mit etwas Erfolg hat. Wenn sich der Erfolg dann gnädig einstellt soll man sich vor ihm nicht fürchten, sondern sich darüber freuen.

Soll der Bulle für immer im Fernsehen bleiben oder würden Sie sich gern mal im Kino austoben?
Der Bulle geht dahin wo es Ihm am besten gefällt, und er macht sowieso was er will. Vielleicht geht er auch mal ins Kino!

In USA verdienen Serienstars Unsummen. Wird man auch als deutscher Serienheld reich?
Das Wort Unsumme impliziert ja, dass die Summe nicht gerecht ist. Aber ich habe gehört, dass es in Amerika streng kapitalistisch zu geht. Wenn man mit den Schauspielern dort viel Geld verdient, werden die auch viel abbekommen.

Wissen Ihre Kinder, was für einen berühmten Vater sie haben?
Sie wissen wohl, dass ihn viele Leute im Fernsehen kucken, aber das ist zuhause eigentlich kein Thema. Ich bin ja auch nicht wirklich berühmt. Und mit der Popularität kann es ganz schnell wieder vorbei sein, das darf einen nicht verrückt machen.

Genießen Sie es nicht, so bekannt zu sein?
Ich nehme es einfach hin. Es ist eben eine Begleiterscheinung des Fernsehens, weil es ein so großer Multiplikator ist. Mir ging es aber vorher schon gut und wird es wohl auch nachher gut gehen. Kein Grund sich in diesen flüchtigen Zustand einzunisten.

Was freut Sie dann am Erfolg?
Der Bulle ist kein Zufallsprodukt. Wir haben uns ganz bewusst entschieden, ihn so zu machen und sind damit ein echtes Risiko eingegangen. Dass die Serie nun bei den Zuschauern so gut ankommt, dass sich die Arbeit gelohnt hat, das freut mich sehr. Das ist wie Applaus im Theater. Und es ist wirklich schön, wenn mir Menschen erzählen, dass sie sich auf den Montagabend freuen, dass sie lachen, des Tages Mühsal für diese Zeit vergessen.

Sie haben einige Jahre auf einer bayerischen Burg gelebt, was macht das Leben jetzt in Essen schöner?
Das kann ich wirklich nicht beantworten. Ich fühle mich überall, wo ich lebe, wohl. Auch jetzt hier in Mumbai. So lange ich meinen Mittagsschlaf habe und mein täglich Brot, laufe ich fröhlich durch die Welt.

Zieht es Sie gar nicht in die Schauspieler-Stadt Berlin?
Ich bin ohnehin so oft in Berlin, weil ich dort viele Freunde habe. Aber ich muss da nicht wohnen.

Sie haben als Teenager im Chor eines englischen Internats Queen Mum ein Ständchen zum 90. Geburtstag gebracht. Singen Sie heute noch?
Ja, ich singe gerne. Und ich kann das jedem nur empfehlen. Man kann jederzeit damit anfangen.

Ist das ein richtiges Hobby?
Das kann man so sagen. Singen tut mir wohl. Ich singe Chansons, alte Popsongs, fröhliche Lieder, Barmusik… gern Songs von Tom Waits.

Wie wäre es dann, wenn Sie mal einen Song für den Serien-Soundtrack beisteuern?

Mal sehen, ob sich das ergibt. Ich habe mich ja in der zweiten Staffel auch ein paar mal ans Klavier gesetzt und gespielt.

Kann man Sie, wenn Sie mit Freunden ausgehen, auch mal in einer Bar spontan singen hören?
Wenn ich sehr gut drauf bin, kann das schon mal passieren?

Hört sich so an, als ob das eher selten passiert…
Sehr selten! Zum einen bin ich nur selten so gut drauf, zum anderen gehe ich kaum aus. Ich habe da einfach keine Zeit dafür, ich muss doch arbeiten.

Hätten Sie gern mehr freie Zeit?

Ich frage mich nicht, ob ich lieber dies oder das täte. Ich lebe einfach mein Leben und tue, was getan werden muss, bis es vollbracht ist.

Haben Sie keine Ziele, keine Sehnsüchte?
Ich setze mir nicht großartig Ziele. Diese Art von Ehrgeiz liegt mir nicht. Beim Filmen konzentriere ich mich auf die nächste Szene. Und im Leben besteht doch der größte Teil darin, die Dinge zu tun, die einfach getan werden müssen. Da ist kein Platz für Sehnsüchte. Das ist was für Träumer. Und ich träume nur nachts.

Interview: Sabine Krempl

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