04.12.2016, 00:55 Uhr

Interview mit Heidi Klum

Der härteste Job der Welt

Ihre Ehe ist am Ende. Aber Heidi Klum kann nicht innehalten. Sie stürzt sich hochprofessionell und diszipliniert in die Arbeit für die neue Staffel „Germany’s Next Topmodel” (ab Do., 23. Februar, 20.15 Uhr, Pro 7). Wir trafen Heidi Klum (Foto: imago) zum Exklusiv-Interview am Set … 

 

TVdirekt: Die siebte Staffel geht los. Wird die Show nicht langsam zur Routine, Frau Klum?

Heidi Klum: Nein! Wir haben immer neue Mädchen, neue Orte, neue Shootings. Auch das Modelgeschäft verändert sich, es wird anders geposed, der Laufstil ist anders. 

 

TVdirekt: Die Jury bleibt mit Thomas Hayo und Thomas Rath gleich besetzt…

Heidi Klum: Die beiden sind kompetent, wir ergänzen uns gut. Wenn man so lange miteinander unterwegs ist, kann man sich leicht mal auf die Nerven gehen, aber die beiden liebe ich. Ich fand auch Kristian Schuller als Juror sehr gut. Fast schon zu intellektuell, für unsere Zuschauer. Vor allem die  Erklärungen der Fotografie, die der Zuschauer glaube ich oft nicht ganz verstanden hat. Kristian liebt die Fotografie und wollte auch lieber mehr Fotos machen. Es ist eben nicht immer einfach, die richtige Mischung zu finden.

 

TVdirekt: Für die Mädchen jagt eine Überraschung die nächste. Und für Sie?

Heidi Klum: Für mich ist nichts überraschend. Ich bin ja auch Produzentin der Sendung und es kommen schon Monate vor Drehbeginn alle Produzenten zu mir nach Los Angeles. Da besprechen wir alles: Angefangen von den Challenges, über die Fotografen, bis zu den Shootings und Drehorten.

 

TVdirekt: Wo geht es denn diesmal hin?

Heidi Klum: Mein Wunsch war, gleich zu Anfang richtig weit weg zu fahren und zwar an einen Ort, an dem wir noch nie waren. Mit so vielen Mädchen wird das logistisch eine echte Herausforderung werden. Lassen Sie sich überraschen!

 

TVdirekt: Wie viel versprechend sind die Mädchen der siebten Staffel? Haben Sie bereits Favoritinnen?

Heidi Klum: Wir sind ja jetzt schon seit einigen Wochen mit den Mädchen am Drehen und da merkt man es doch schnell. Es gibt schon sieben oder acht, die mir ins Auge fallen. Aber genauso viele sind dabei, die sehe ich nicht weit kommen. 

 

TVdirekt: Woran erkennen Sie die Qualitäten?

Heidi Klum: Entscheidend ist das erste Foto-Shooting. Bei manchen passiert da kaum was. Der Job ist eben nichts für jeden. Manche zeigen Naturtalent, andere sind so hübsch, dass ich gerne mit ihnen weiter arbeiten möchte. Manche sind noch extrem schüchtern. Das geht beim Model-Job natürlich gar nicht. Ein Model soll ja auch Produkte verkaufen können. Da muss man schon aus sich rausgehen.

 

TVdirekt: Wie gut haben sich die Mädchen diesmal auf die Show vorbereitet?

Heidi Klum: Manche haben sich schon zu viele Posen angeeignet, die man ihnen wieder abgewöhnen muss. Das ist manchmal schwieriger, als den Mädchen etwas beizubringen, weil sie ihre Natürlichkeit verloren haben.

 

TVdirekt: Die Kandidatinnen träumen alle vom Model-Beruf. Ist es tatsächlich ein Traumjob? 

Heidi Klum: Viele Leute sehen nur das Endprodukt . Kaum einer weiß, wie anstrengend das für die Mädchen wirklich  ist. Und ihnen selbst ist auch nicht klar, was der Model-Job von ihnen verlangt. Natürlich wird es hier auch mal stressig und die Tage sind manchmal lang. Aber wenn ich für Werbekampagnen drehe oder auch hier für die Sendung, da stehe ich auch 14 bis 16 Stunden vor der Kamera. Das ist einfach Gewöhnungssache und auch eigener Arbeitsstil. 

 

TVdirekt: Über die Hälfte der Mädchen ist noch nicht volljährig. Muss man die mit Samthandschuhen anfassen?

Heidi Klum: Die meisten haben mehr Selbstbewusstsein als manche 22-Jährige. Als ich Lauras Mutter in der Sendung  fragte, ob sie uns ihre 16-jährige Tochter denn mitgeben will, weil wir ja auch weit reisen und auch für mich selbst schwierige Sachen machen, fand sie das toll und sagte nur: „Die schafft das schon.“

 

TVdirekt: Die Meckerei in den Medien über die harte GNTM-Schule wird sich auch dieses Mal wiederholen , insbesondere zum Thema Magersucht. War Ihr Start ins Modelgeschäft auch schon davon geprägt?

Heidi Klum: Ich habe 1992 bei Thomas Gottschalk selbst einen großen Model-Wettbewerb gewonnen, bin dann gleich weiter nach Paris und London. Ich habe als 19-Jährige meine internationale Karriere gestartet und bin alleine zu den Agenturen getingelt. Da hieß es: „Klamotten runter bis auf die Unterwäsche!“ Dann wurde ich vermessen, musste auf die Waage und habe bei 57 Kilo und 1,76 m zu hören bekommen ich sei zu dick. Das war hart. So etwas Hartes würde ich bei uns nicht dulden, obwohl es für einige oft die Wahrheit wäre… So hart wie man zu mir gewesen war, so hart bin ich nicht. Ich sage den Mädchen, dass sie sich, wenn sie diesen Job wirklich machen wollen, nicht mehr mit der Nachbarin oder ihrer Freundin vergleichen können, die haufenweise Nudeln und Brot isst und keinen Sport treibt. Als Topmodel muss dein Körper in Top-Form sein, das heißt: gesund und sportlich. Auch sind sie nicht allein, so wie ich es damals war, mit meiner Modelmappe. Unsere Mädchen werden rund um die Uhr betreut. Und wir nehmen ja auch keine 16- oder 17-Jährige ohne Einverständnis der Eltern mit.

 

TVdirekt: Wenn Sie Monate lang mit den Mädchen zusammen sind, entwickeln Sie da Sympathien, die es Ihnen schwer machen, sich von der ein oder anderen zu trennen?

Heidi Klum: Ich bleibe immer fair, ich behalte keine in der Show, nur weil ich sie besonders nett finde. Es sind doch alle nette Mädchen, jede mit ihren Geschichten und Träumen. Aber ich suche in dieser Show keine Freundin. Ich suche ein Model!

 

TVdirekt: Die Mädchen werden von Stylisten für die Shootings eingekleidet. Wählen Sie Ihre Outfits alleine aus?

Heidi Klum: Ich habe seit einiger Zeit eine Stylistin. Ich drehe zwei Fernsehsendungen im Jahr und habe einige andere Shootings und öffentliche Auftritte. Ich hätte gar nicht die Zeit, mir sämtliche Outfits für die Show auszusuchen. Das ist viel Arbeit und ein Job für sich.

 

TVdirekt: Wie sieht so ein Styling bei Heidi Klum aus?

Heidi Klum: Meine Stylistin kommt Wochen vor Drehbeginn mit Kleidern und Schuhen zu mir, dann wird alles anprobiert, manche Sachen müssen auch geändert werden. Für „Germany’s next Topmodel“ drehen wir dreieinhalb Monate, da brauche ich etwa 50 komplette Outfits. Jedes davon wird verpackt und durchnummeriert, so dass ich alles schön der Reihe nach anziehen kann.

 

TVdirekt: Interessieren sich Ihre Töchter auch schon für Mode?

Heidi Klum: Ich denke schon. Wenn man bei Mama immer die neuesten Trends an Kleidern und Schuhen sieht, kommt das ganz von selbst. Sie befassen sich ganz natürlich damit. Und wenn vor den Emmy-, Golden Globe- oder Oscar-Verleihungen die Schmuckdesignerin Lorraine Schwartz bei mir zuhause ihre Kreationen auspackt, hängt sich meine Tochter auch mal gerne Millionen-Dollar-teure Ohrringe an. (lacht)

 

TVdirekt: In USA treten Mädchen im Alter von fünf Jahren, also jünger als Ihre Tochter Leni herausgeputzt wie Erwachsene bei Schönheitswettbewerben an. Ist das nicht zu früh?

Heidi Klum: Ich würde das mit meiner Tochter nicht machen, selbst wenn sie das wollte. Dabei geht es mir weniger um das Herausputzen. Meine Kinder verkleiden sich auch gerne, wenn sie Halloween oder eine Dance-Party feiern. Aber ein Kind so früh einem Konkurrenzkampf auszusetzen halte ich nicht für gut. Wenn meine Töchter alt genug sind, habe ich aber nichts dagegen, wenn sie mit dem Modeln anfangen wollen.

 

TVdirekt: Ihre Kollegin Eva Padberg sucht inzwischen „Das perfekte Model“ auf VOX. Sehen Sie sich die TV-Konkurrenz im Fernsehen an?

Heidi Klum: Ich finde es gut, dass es jetzt Konkurrenz gibt. Das schmeichelt uns doch und spornt auch an. Aber ansehen werde ich mir die Show wahrscheinlich nicht. Ich habe auch keinen Receiver in den U.S.A., um deutsches Fernsehen zu schauen. Ich kuck ja deswegen nicht mal unsere Sendung an, wenn sie im Fernsehen  läuft. Da ich die Sendung mit produziere, bin ich ja nicht nur beim Dreh dabei, sondern habe vor Ausstrahlung schon im Schnitt alles gesehen, zum Teil geändert. Außerdem habe ich vier Kinder. Nach der Arbeit oder an freien Tagen bin ich nur für meine Familie da. Wenn die Kids zum Spielen verabredet sind, bringe ich sie hin. Wir gehen ins Kino, auf den Spielplatz, ins Disneyland oder mit den Hunden spazieren. Abends wird gemeinsam gegessen, danach gebadet und ab ins Bett. Bei uns gibt s nicht viel Fernsehen.

Interview: Sabine Krempl

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