04.12.2016, 00:55 Uhr

Interview mit Peter Kloeppel

"Wir zeigen nicht nur, was eine kleine Gruppe von Politikern diskutiert!"

Er ist das seriöse Gesicht von RTL: Chefredakteur Peter Kloeppel (53). Am 30. März 2012 feiert er als Moderator von „RTL Aktuell“ sein 20-jähriges Jubiläum! Wir haben nachgefragt, was er sich zum Jahrestag wünscht. Peter Kloeppel erklärt, wie wichtig die Presse im Fall Christian Wulff war, wie er es schafft, dass die jungen Zuschauer am liebsten Nachrichten bei "RTL Aktuell" sehen und wie man Politiker-Sprache in verständliches Deutsch übersetzt. Und er verrät uns, ob er heimlich zuhause "Tagesschau" kuckt und gerne mal die ARD-Nachrichten verlesen möchte…

TVdirekt: 20 Jahre sind Sie jetzt Chefmoderator bei „RTL Aktuell“. Was gibt’s zum Jubiläum? Nur gute Nachrichten?
Peter Kloeppel: Gute Nachrichten wünschen wir uns immer. Leider können wir sie für diesen Tag nicht bestellen, dafür werden sie aber spannend, aktuell und interessant wie immer sein.

TVdirekt: Also eine Sendung wie alle Tage?
Peter Kloeppel: Wir werden sicher keine Sondersendung machen, denn wir wollen kein allzu großes Brimborium veranstalten. Die Menschen schalten „RTL Aktuell“ schließlich ein, weil sie über das Wichtigste des Tages informiert sein wollen. Und darauf kommt es uns auch an diesem Tag in erster Linie an. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es am Ende der Sendung einen Rückblick auf Moderations-Highlights, kleine Pannen und besondere Interview-Gäste aus 20 Jahren gibt.

TVdirekt: Die „Tagesschau“ wird dieses Jahr sogar schon 60! Schauen Sie heimlich zuhause die ARD-Nachrichten?
Peter Kloeppel: Das gelingt mir meistens nicht, weil ich noch auf dem Nachhauseweg bin, wenn die „Tagesschau“ beginnt. Aber ich gucke oft im Büro und gar nicht heimlich sowohl die Nachrichten von ARD als auch ZDF. Ich muss doch wissen, was die Kollegen machen, welche Themen sie setzen, ob sie besser waren oder wir.

TVdirekt: Ärgert es sie, wenn die Konkurrenz besser war?
Peter Kloeppel: Jeder Journalist hat den Ehrgeiz, eine Geschichte als Erster zu erfahren. Und wenn man schon nicht der Erste ist, will man die Geschichte wenigstens besonders gut erzählen. Diesen Ehrgeiz haben weder wir nach 20 Jahren noch die Tagesschau nach 60 Jahren abgelegt. Da bin ich sicher!

TVdirekt: Warum sind Sie bei den jungen Zuschauern beliebter als das ARD-Schlachtschiff…
Peter Kloeppel: Wir haben kein besonderes Rezept, wie man junge Zuschauer, die grundsätzlich weniger Interesse an Nachrichten haben als die älteren, für eine Nachrichtensendung gewinnt. Und „RTL Aktuell“ richtet sich ja nicht nur an junge Zuschauer, sondern an die ganze Familie, an Menschen jeden Alters.

TVdirekt: Trotzdem schalten Jugendliche öfter „RTL Aktuell“ ein als die öffentlich-rechtliche Konkurrenz…
Peter Kloeppel: RTL ist ja grundsätzlich ein junger Sender. Es liegt bei „RTL Aktuell“ vielleicht an der Themenauswahl und daran, wie wir die Nachrichten aufbereiten. Wir haben sicherlich Standards gesetzt, wenn es darum geht, Nachrichten verständlich zu präsentieren. Das ist eine Aufgabe, der wir uns jeden Tag aufs Neue stellen. Zudem wollen wir, dass die Nachrichten auch im Gedächtnis bleiben.

TVdirekt: Wie schwer ist es, dafür Politiker-Phrasen verständlich zu übersetzen? Wenn Angela Merkel und Co. erklären „Ich habe deutlich gemacht...“, ist ja nicht wirklich immer alles klar.
Peter Kloeppel: Wir Journalisten müssten uns vielleicht noch öfter fragen, ob die Antworten, die wir auf unsere Fragen bekommen, für die Zuschauer ausreichend und verständlich oder nur Ausflüchte sind. Manchmal sind es regelrecht Nicht-Antworten. Dann ist es die Aufgabe des Journalisten nachzufragen. Aber dafür muss man gut zuhören und nicht einfach nur seinen Fragenkatalog abarbeiten, denn da macht man es den Politikern einfach zu leicht.

TVdirekt: Sie sind ja auch RTL-Chefredakteur. Wie entscheiden Sie, welche News aus der täglichen Nachrichtenflut in der „RTL Aktuell“-Sendung landen?
Peter Kloeppel: Wir haben die Verantwortung, unsere Zuschauer so gut und so umfassend wie möglich über die wichtigsten, aktuellsten und interessantesten Themen des Tages zu informieren. Diese Verantwortung können wir aber nur dann richtig wahrnehmen, wenn wir uns fragen: „Was beschäftigt die Menschen?“ Politik steht bei uns fast immer an der ersten Stelle im Ablauf. Vieles bewegt  unsere Zuschauer aber auch außerhalb des rein politischen Themenspektrums. Und wir sehen unsere Verantwortung schon darin, solche Themen aus der Lebensumwelt der Menschen so gut wie möglich abzubilden und nicht nur das, was eine kleine Gruppe von Politikern diskutiert.

TVdirekt: Treffen Sie die Entscheidungen als RTL-Chefredakteur alleine?
Peter Kloeppel: Welche Themen in die Sendung kommen, wird täglich in mehreren  Redaktionssitzungen entschieden. Dabei sind wir in vielen Fällen sehr schnell einer Meinung. Es kann aber auch zu kontroversen Diskussionen kommen, an deren Ende wir uns einigen, weil eben keiner von oben herab sagt: „Ich bin hier der Chef und sage alleine, wo’s lang geht!“

TVdirekt: Viele Menschen haben den Eindruck, alles wird immer schlimmer. Wer 20 Jahre lang an der Nachrichtenfront sitzt, kann beurteilen, ob das stimmt…
Peter Kloeppel: Ich glaube nicht, dass sich die Nachrichtensituation in den vergangenen 20 Jahren verändert hat. Natürlich sind die Schwerpunkte heute andere. Vor 20 Jahren war die Wiedervereinigung Deutschlands ein großes Thema und heute geht es darum, wie Europa zusammen wächst, wie es mit dem Euro weiter geht. Journalisten beschäftigen sich mit den Fragen, die die Welt beschäftigen, das ist heute nicht anders als vor 20 Jahren.

TVdirekt: Beim Rücktritt von Bundespräsident Wulff spielten die Enthüllungen von Nachrichtenjournalisten eine große Rolle. Hat sich die Presse da zu viel Freiheit herausgenommen oder ist genau das ihre Aufgabe?
Peter Kloeppel: Im Fall von Christian Wulff haben Journalisten Dinge zu Tage gefördert, die sehr lange unentdeckt geblieben sind, und die dazu geführt haben, dass sich eine Staatsanwaltschaft nun mit Herrn Wulff beschäftigt. Das ist genau die Aufgabe der Journalisten. Dafür haben wir doch die Pressefreiheit, um eben den Themen nachzugehen, von denen wir Journalisten sagen, dass sie wichtig sind.

TVdirekt: Wollen Sie die nächsten 20 Jahre bei „RTL Aktuell“ bleiben oder reizt Sie noch mal ein Neuanfang an anderer Stelle?
Peter Kloeppel: Die nächsten 20 Jahre sind schon ein sehr langer Zeitraum. Dann wäre ich schon mitten in meinen Siebzigern und ich glaube nicht, dass ich „RTL Aktuell“ so lange moderieren werde. Aber ich habe nach wie vor viel Spaß an der Arbeit und wenn ich weiterhin die Möglichkeit habe, bei RTL Nachrichten zu machen und Dinge zu entwickeln, dann bleibe ich gerne noch ein bisschen länger

TVdirekt: Werden wir Sie jemals bei der Tagesschau sehen?
Peter Kloeppel: Ich schätze die Kollegen in Hamburg sehr, aber das wird nicht passieren!

Interview: Sabine Krempl

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