04.12.2016, 00:52 Uhr

Interview mit Nela Panghy-Lee

„Einfach mal probieren!“

 

Rund 600 000 Menschen in Deutschland sind wie PRO 7-Moderatorin Nela Panghy-Lee (31) Veganer. Für sie ist alles Tierische tabu. Nicht nur Fleisch, Wurst und Fisch, auch Milch- und Eiprodukte, Lederwaren, Wolle, Seide, Daunendecken … Veganer protestieren mit ihrem Verzicht auf übliche Ernährung und Kleidung gegen das Leid von Nutztieren wie Rinder, Schweine, Hühner und auch gegen die Umweltbelastung durch Vergeudung von Anbauflächen und Wasser zur Tierhaltung …

TVdirekt: Warum sind Sie Veganerin geworden?

Nela Panghy-Lee: Der Auslöser war die Dokumentation „Earthlings“. Da wurde gezeigt, wie der Mensch Natur und Tiere industriell ausbeutet. Der würdelose und eiskalte Tod eines Tieres ist dabei lediglich ein Teil des Wirtschaftsplans. Das war so schlimm. Der Anblick der schrecklichen Bilder aus der Massentierhaltung hat mich sehr bewegt. Besonders beeindruckt hat mich die Aussage im Film: Du kannst keine Erkenntnis haben, ohne Konsequenzen zu ziehen.

TVdirekt: Wie sahen Ihre Konsequenzen aus?

Nela Panghy-Lee: Ich habe mich auf der Tierschutz-Homepage von PETA umfassend informiert und wollte dann ausprobieren, vegan zu leben. Also habe ich von heute auf morgen alle tierischen Produkte aus meinem Kühlschrank geräumt und habe einfach angefangen…

TVdirekt: Vegan zu leben heißt doch aber nicht nur, kein Fleisch zu essen…

Nela Panghy-Lee: Richtig. Es bedeutet, komplett auf tierische Produkte zu verzichten. Auch bei der Kleidung oder bei Kosmetikprodukten, die nicht an Tieren getestet werden dürfen. Ganz strenge Veganer kaufen nicht mal in Internet-Shops ein, die auch tierische Produkte anbieten.

TVdirekt: Sind Sie ganz streng?

Nela Panghy-Lee: Ich habe großen Respekt vor hundertprozentigen Veganern. Meine Erfahrungen haben mir gezeigt, dass es ganz schön schwierig ist, in jeder Lebenssituation auf tierische Produkte zu verzichten. Meine Ernährung habe ich auf vegan umstellen können. Aber vor meinem Kleiderschrank stand ich mit der Frage: Was mache ich denn jetzt mit meinen Lederschuhen und -handtaschen?

TVdirekt: Und? Was haben Sie gemacht? Alles verschenkt?

Nela Panghy-Lee: Nein. Damit hätte ich die Tiere ja auch nicht mehr retten können. Aber ich habe mich schlau gemacht und kann bei Schuhen und Klamotten privat ganz gut auf tierische Produkte verzichten. Beruflich bin ich da aber an meine Grenzen gestoßen…

TVdirekt: Welche Grenzen?

Nela Panghy-Lee: Die Auswahl an komplett veganen Outfits für eine tägliche Liveshow ist einfach nicht groß genug. Weil ich viel unterwegs bin, blieb mir im Hotel zum Frühstück oft nur ein trockenes Brötchen mit Marmelade, wenn es sonst nur Butter, Wurst, Käse gibt und abends dann Nudeln mit Olivenöl. Nach acht strengen Monaten, habe ich mich entschieden, zwar so weit es geht, vegan zu leben, mir aber auch mal vegetarische Ausflüge zu einem Stück Ziegenkäse zu erlauben.

TVdirekt: Und vor Fleisch oder Wurst ekelt es Sie schon? Oder haben Sie manchmal richtig Lust drauf?

Nela Panghy-Lee: Wenn mein Freund letztes Jahr einen Burger gegessen hat, hätte ich am liebsten reingebissen. Aber in solchen Situationen muss man sich nur daran erinnern, warum man seine Entscheidung getroffen hat. Wenn man überlegt, wo das Fleisch herkommt, das zwischen den Brötchenhälften liegt, vergeht die Lust schnell wieder.

TVdirekt: Stört es Sie nicht, wenn Ihr Freund Fleisch isst?

Nela Panghy-Lee: Nein. Ich bin da auch in keiner Weise militant. Wenn er Steak essen will, dann brate ich ihm das auch. Aber ich will, dass wir darauf achten, verantwortungsbewusst einzukaufen. Das ist eine ethische Frage. Ich möchte wissen, woher das Fleisch kommt und Bauern in der Region unterstützen. Lieber einmal die Woche ein gutes Stück Fleisch von glücklichen Rindern, als jeden Tag irgendeinen billigen Wurstaufschnitt, der einmal quer durch die Welt geflogen ist.

TVdirekt: Essen Sie dann immer getrennt?

Nela Panghy-Lee: Überhaupt nicht! Als ich für uns zwei das erste Mal Spaghetti Tofu-Bolognese gekocht habe, war er total verwundert, dass ich das esse, weil er dachte, es wäre richtiges Fleisch.

TVdirekt: Kann das sein?!

Nela Panghy-Lee: Ich schwöre, er hat es nicht gemerkt (lacht). Man muss natürlich gute Zutaten verwenden und alles lecker mit Kräutern würzen.

TVdirekt: Wird Einkaufen da nicht sehr teuer?

Nela Panghy-Lee: Also wenn ich daran denke, wie viele Lebensmittel ich weggeworfen habe, weil ich sie gedankenlos gekauft und dann nicht verwendet habe… Als Veganerin kaufe ich jetzt viel bewusster und präziser ein. Und ich habe die Lust am Kochen entdeckt! Es geht inzwischen richtig schnell.

TVdirekt: Leben Veganer umweltbewusster?

Nela Panghy-Lee: Da gibt es ganz viele Studien, die das belegen und vielleicht genauso viele, die es widerlegen. Wenn man aber allein bedenkt, für wie viel CO2-Ausstoß die Massentierhaltung sorgt, wäre es für unsere Erde sicher besser, wenn wir weniger Tiere halten müssten. Und für die Tiere sowieso.

TVdirekt: Kann man sich vegan überhaupt hip stylen?

Nela Panghy-Lee: Sich vegan anzuziehen, heißt nicht, dass man in Jesus-Latschen und Kartoffelsäcken herumlaufen muss. Es gibt total stylishe Öko-Labels wie „UMASAN“ oder „muso koroni“, die im Internet bezahlbare, nachhaltige Mode und Schuhe ohne Leder anbieten. Auch prominente Designer wie Stella McCartney verzichten größtenteils auf tierische Produkte. Und wer klein anfangen will, kann statt mit dem Ledershopper auch mit einem schick bedruckten Jutebeutel einkaufen gehen.

TVdirekt: Ist vegan sein schick oder müssen Sie sich oft rechtfertigen?

Nela Panghy-Lee: Viele Nicht-Veganer schauen mich erst mal mit großen Augen an, als käme ich vom Mond. Die strikten Veganer dagegen nörgeln an mir herum, weil ich „nur“ einen Mittelweg gewählt habe. Aber ich habe aufgehört mich zurechtfertigen. Denn meine Erkenntnis ist: „Wenn jeder ein wenig seine Ernährung umstellt, ist schon viel geschafft.“ 

Interview: Sabine Krempl

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