04.12.2016, 00:54 Uhr

Interview mit Bülent Ceylan

HER MIT DEM PUBLIKUMS-PREIS!

Beim Deutschen Comedy Preis fehlt etwas, findet BÜLENT CEYLAN – und im Fernsehen auch …

Er ist neben Oliver Welke und Kaya Yanar für den Deutschen Comedy Preis 2012 (Fr., 26.10., 21.15 Uhr, RTL) nominiert. Da Bülent Ceylan aber die Trophäe schon zweimal gewonnen hat, ist der 36-jährige Mannheimer diesmal „ganz locker“. Wir sprachen mit ihm über Erfolg, Wunschpreise, seine Lieblingscomedy und blonde Träume…

TVdirekt: Ihre Konkurrenten im Rennen um den Preis als bester Comedian sind Kaya Yanar und Oliver Welke. Können die zwei Sie schlagen; Herr Ceylan?
Bülent Ceylan: Ach da bin ich ganz locker. Es ist nicht meine Art neidisch oder eifersüchtig zu sein, das würde mich nur ausbremsen.

TVdirekt: Wem würden Sie gern einen Comedy Preis verleihen?
Bülent Ceylan: Hmm… Ich würde mir eher eine neue Kategorie wünschen. Ich finde, es fehlt ein Publikumspreis. Ich höre immer wieder von den Fans, dass sie das vermissen. Schließlich entscheidet ja das Publikum, ob einer von uns beliebt und erfolgreich ist.

TVdirekt: Sie pflegen eine ziemlich enge Beziehung zu Ihrem Publikum. Keinerlei Berührungsängste?
Bülent Ceylan: Gar nicht. Egal, ob ich auf kleinen Bühnen vor 30 oder in großen Hallen vor tausenden Zuschauern auftrete. Ich versuche immer, persönlichen Kontakt zu meinen Fans zu halten, gehe im Anschluss raus und gebe Autogramme. Früher wäre ich da froh gewesen, wenn einer geblieben wäre, heute muss ich sehen, dass die ein zwei Stunden ausreichen, die ich da noch sitze.

TVdirekt: Wie Mario Barth haben Sie ein großes Stadion gefüllt. Wie ist das vor Zehntausenden aufzutreten?
Bülent Ceylan: Es war ein Wahnsinnsgefühl in der Commerzbank Arena Frankfurt. Das war so toll, das lässt sich nicht wiederholen. Darum bleibt es für mich auch eine einmalige Sache.

TVdirekt: Sie sagen, „erfolgreich zu sein ist etwas anderes als sehr gut zu sein“. Verdirbt einen der Erfolg?
Bülent Ceylan: Früher musste ich ums Publikum, um die Stimmung im Saal kämpfen, heute brüllen die Leute schon, bevor ich überhaupt auf der Bühne stehe, empfangen mich mit Standing Ovations. Und da muss man vorsichtig sein, selbstkritisch bleiben, nicht eitel werden. Darum trete ich auch immer noch auf Kleinbühnen auf. Da kommen auch die Leute, die in keine Halle gehen, wo getobt wird. Und da teste ich mich dann auch aus.

TVdirekt: Sie haben Ihre eigene Fernseh-Show, welche Art von TV-Comedy sehen Sie gerne?
Bülent Ceylan: Ich wünschte mir, es gäbe eine deutsche Familien-Sitcom im Stil der Bill-Cosby-Show. Die hatte so viel Wärme und Tiefe, und war dabei super lustig.

TVdirekt: Und welche Kollegen bringen Sie zum Lachen?
Bülent Ceylan: Ich schau mir gern neue, junge Komiker an. Da habe ich in Köln Marco  Engels entdeckt, einen noch unbekannten Stand-Up-Komiker, den ich ganz toll fand. Den sollten sich die Leute mal anschauen.

TVdirekt: Haben Sie gar kein Konkurrenzdenken?
Bülent Ceylan: Die Zeit ist jetzt mal reif, andere zu unterstützen und zu motivieren. Und auch wenn ich ehrgeizig bin, muss ich nicht immer noch weiter nach oben. Klar hoffe ich, dass ich noch viele Jahre auf der Bühne stehe, Hallen zum Rocken und Leute zum Lachen bringen kann…

TVdirekt: … nicht zu vergessen, die TV-Fans der „Bülent Ceylan Show“…
Bülent Ceylan: Ab Frühjahr 2013 ziehe ich mich erst mal wieder aus dem Fernsehen zurück, damit mich die Leute nicht über kriegen. Ich möchte auf keinen Fall so lange auf der Bühne rumturnen, bis mir nur noch ein paar treue Fans ihren Gnadenapplaus geben.

TVdirekt: Hat Humor Grenzen? Was finden Sie gar nicht komisch?
Bülent Ceylan: Ich habe ja immer gewisse Messages in meinem Programm, die sich zum Beispiel gegen Rassismus richten. Das kann man auch in einen Witz verpacken. Aber über Kranke oder Behinderte Witze zu reißen, geht gar nicht. Da kann ich nicht drüber lachen. Man sollte nur Witze reißen, zu denen man auch stehen kann, sonst ist man eine Marionette, kein Komiker.

TVdirekt: Eine Frage zu Ihrer Haarpracht darf nicht fehlen: Wie pflegen Sie Ihre Mähne mit speziellen Spülungen und Kuren?
Bülent Ceylan: Shampoo und Spülung sind nicht so wichtig. Das wichtigste ist Haaröl! Das massiere ich regelmäßig in die Haarspitzen, damit die nicht austrocknen.

TVdirekt: Sehen Sie sich in Ihren kühnsten Träumen als Blondine?
Bülent Ceylan: Ich habe schon auch meine blonden Momente, so naiv bin ich da. Und ich hab tatsächlich am Computer schon mal ausprobiert, wie ich mit blonden Haaren aussähe…

TVdirekt: Und?
Bülent Ceylan: Verdammt schrecklich!

TVdirekt: Sie planen einen Kinofilm. Nehmen Sie sich da ein Beispiel an Kaya Yanar, der als Agent Ranjid über die Welt kommt?
Bülent Ceylan: Ich will auf keinen Fall so ein Blödelfilm machen, in dem meine Bühnenfiguren Mompfred und Anneliese mitspielen. Der Film soll emotional, tragisch und witzig sein, so wie „Das Leben ist schön“ von Roberto Benigni oder „Ziemlich beste Freude“.

TVdirekt: Und wie steht es mit Ihren Plänen zusammen mit Stand-Up-Legende Chris Rock in USA aufzutreten?
Bülent Ceylan: Das ist noch mehr ein Wunsch als ein Plan und entstand, als das US-Management von Morgan Freeman mich bei der Verleihung der Goldenen Kamera ansprach, weil ich der richtige Typ für internationale Comedy wäre. Wenn daraus was wird, bräuchte ich aber die Unterstützung guter englischer Autoren. Ich bin natürlich offen für alles. Mal sehen, wie krass es noch wird…

Interview: Sabine Krempl

Foto: RTL / Willi Weber

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