07.12.2016, 11:37 Uhr

Interview mit Alexandra Neldel

RUFT SIE BALD HOLLYWOOD?

Ihre Quotenrekorde als „Wanderhure“ hallten bis in die USA und ALEXANDRA NELDEL ist offen für alles…

Zum dritten und letzten Mal wird Alexandra Neldel in „Das Vermächtnis der Wanderhure“ (Di., 13.11., 20.15 Uhr, SAT.1) als Marie Zuschauermillionen begeistern. Zum Ende der Mittelalter-Trilogie bekommt die 36-Jährige eine neue Erzfeindin: Auf Großinquisitor Ruppert (Julian Weigend) folgt die ebenso reizvolle wie skrupellose Hofdame Hulda (Julie Engelbrecht). Hochschwanger wird Marie auf dem Weg zur heimischen Burg von Huldas Häschern brutal entführt und landet im Wanderhuren-Harem eines Tataren-Lagers…

TVdirekt: Gerät Marie nicht geradezu aus Eigensinn in die Fänge ihrer Widersacherin Hulda, weil sie ihr Kind partout nicht bei Hofe zur Welt bringen will?
Alexandra Neldel: Das ist ja gemein! Dann hätte ja Marie Schuld an allem. Nein, nein, nein… Hulda fände immer einen Weg, und bei Hofe zu bleiben ist keine Alternative für Marie. Das Leben dort ist so gar nichts für sie.

TVdirekt: Würde es Ihnen gefallen?
Alexandra Neldel: Das wäre nichts für mich. Ich stelle mir das mit der Etikette und all den Intrigen sehr schwierig vor, wenn man dort nicht von Geburt an hineinwächst.

TVdirekt: Mögen Sie so prinzipientreue Menschen wie Marie oder sind Ihnen flexiblere Charaktere im Umgang lieber?
Alexandra Neldel: Das kommt schon darauf an: Prinzipien an sich halte ich für gut und wichtig. Man muss aber auch wissen, wann man zu stur daran festhält. Andererseits mag ich Menschen, die anderen nach dem Mund reden und ihr Mäntelchen nach dem Wind drehen, nicht besonders. Mir sind Leute, die geradeheraus sind, lieber.

TVdirekt: Hulda ist ein skrupelloser Machtmensch. Sind ihre sexy Waffen einer Frau noch gefährlicher als es der Hass des Großinquisitors war?
Alexandra Neldel: Zu allem entschlossene Gegner sind immer lebensgefährlich, egal ob Mann oder Frau.

TVdirekt: In der Not sind es gerade Frauen, auf die sich Marie verlassen kann. Sind wir also doch kein stutenbissiges Geschlecht?
Alexandra Neldel: Hulda ist ja nicht stutenbissig, sondern machtgierig. Und den Huren aus dem Tataren-Harem, die ihr helfen, begegnet Marie immer respektvoll. Zudem erfahren sie, dass sie um ihr Kind beraubt wurde. Welche Frau würde sich da nicht solidarisch zeigen?

TVdirekt: Marie gebiert unter Strapazen einen Sohn. Der Dreh mit einem Säugling ist sicher nicht so einfach. Wie war das mit dem Winzling?
Alexandra Neldel: Was war unser kleiner Michel für ein süßer Kerl! Und Augen hatte der mit unglaublich langen Wimpern… Mir war beim Dreh vor allem wichtig, der Mutter das Gefühl zu geben, dass es ihrem Kind gut geht. Darum war für mich die Szene am schlimmsten, in der Marie und Hulda nach König Sigismunds salomonischem Urteil um das Kind ringen sollen. Da hatte ich Angst, dem Kleinen weh zu tun…

TVdirekt: Marie ist eine wirklich Unbeugsame, fallen Ihnen spontan in der Realität vergleichbar starke Frauen ein?
Alexandra Neldel: Da gibt es doch Millionen! Jede einzelne Mutter, die ihr Leben zum Wohle ihrer Kinder lebt, ihnen zuliebe Haushalt und Beruf unter einen Hut bringt und für das Glück ihrer Familie kämpft.

TVdirekt: Apropos kämpfen… Mit Pferd und Schwert konnten Sie ja schon umgehen. Aber jetzt kommt auch noch ein Adler hinzu! Hatten Sie keine Angst vorm Schnabel und den Klauen?
Alexandra Neldel: Ich hatte einen Heidenrespekt! Vor Drehbeginn habe ich mit verschieden großen Adlern geübt. Mit dem Größten konnte ich leider nicht drehen, weil er einfach zu schwer war, ich konnte ihn nicht auf einem Arm halten. Natürlich hat er mich gezwickt und die Klauen haben mich auch einmal am Rücken erwischt. Den Kratzer habe ich immer noch. Aber schlimm war das nicht. Da fand ich es unangenehmer, Teile kleiner, toter Vögelchen in der Hand zu halten, um ihn anzulocken…

TVdirekt: Zudem werden Sie bei den Tataren ganz schon herumgeschleudert, sogar über den Boden geschleift. Wie viele blaue Flecken haben Sie gezählt?
Alexandra Neldel: Es war gar nicht so schlimm, weil ich schon seit dem zweiten Teil Stunt-Training bekommen habe. Da ist man ganz gut in Form.

TVdirekt: Eine Schlüsselrolle spielt die Seherin im Tataren-Lager. Glauben Sie an übersinnliche Fähigkeiten dieser Art?
Alexandra Neldel: Ich glaube schon daran und es ängstigt mich auch ein wenig. Ich denke aber, dass ich mich nicht in die Hände eines Sehers oder Schamanen begeben würde oder gar zu einer Kartenlegerin ginge. Ich will meine Zukunft gar nicht wissen.

TVdirekt: Marie erlebt ja eine Art Rückführung. Würden Sie gern eine Reise in ein früheres Leben antreten?
Alexandra Neldel: Möchte ich das wissen? Hmmm… Und wenn es dann ganz schreckliche Erlebnisse sind? Da bin ich, glaube ich, zu feige dazu. Das ist mir einer Hypnose zu ähnlich, in der man die Kontrolle über sich selbst verliert. Ich würde niemals zulassen, dass ein anderer so viel Macht über mich gewinnt. Ich habe auch keinen Spaß daran, zuzusehen, wie sich in manchen Shows andere unter Hypnose zum Vogel machen…

TVdirekt: Mit dem „Vermächtnis der Wanderhure“ ist endgültig das Ende von Maries Geschichte im TV erreicht. Warum konnten Sie weder hohe Einschaltquoten noch eine Petition der Fans zum Weitermachen bewegen?
Alexandra Neldel: Ich finde, nach drei tollen Filmen reicht es. Soll man nicht aufhören, wenn es am schönsten ist?

TVdirekt: Sie stehen aktuell in „Der Minister“ vor der Kamera, einer Satire, die sehr an den Aufstieg und Fall des Theodor zu Guttenberg erinnert. Parodieren Sie in Ihrer Rolle als Politikergattin Stephanie zu Guttenberg?
Alexandra Neldel: Ich spiele in der Politsatire Victoria von und zu Donnersberg, eine starke Frau, die hinter einem starken Mann steht.

TVdirekt: In USA bewirbt das Branchenblatt Hollywood Reporter „Der Minister“ mit Ihnen als Quotenqueen aus „Die Wanderhure“. Man kennt Sie dort offensichtlich. Steht eine Hollywoodkarriere an?
Alexandra Neldel: Ist das jetzt nicht schon zu spät? Bisher hat Hollywood nicht angeklopft. Aber seien wir ehrlich: Wenn ein Angebot kommt, soll ich dann sagen „Nein danke, ich arbeite lieber in Deutschland?“ Da wäre ich ja verrückt!

Interview: Sabine Krempl

Foto: SAT.1/TV 60/Jiri Hanzl

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