04.12.2016, 00:54 Uhr

Interview mit Henning Baum

Diskutiert wird nicht!

Nicht nur als SAT.1-Bulle mag Henning Baum (Foto: Martin-Rottenkolber-SAT.1) seinen Körper und Frauen, die nicht so viel reden...

Am Ende der dritten Staffel fuhr Mick Brisgau einer ungewissen Zukunft entgegen, verraten von seinen Kollegen und Freunden. Hat "Der letzte Bulle" den Dienst bei der Polizei wirklich quittiert? Um die Fans nicht länger auf die Folter zu spannen, startet die vierte Staffel (ab Mo., 21.1.2013, 20.15, SAT.1) noch während der Produktion. Wir trafen Henning Baum (40) am Set in Köln. Er ist trotz schwerer Erkältung hochkonzentriert, sein Script über und über beschrieben mit persönlichen Anmerkungen, die Regisseur Peter Stauch gerne aufnimmt…

TVdirekt: Die dritte Staffel endete für Mick mit einer Riesen-Enttäuschung. Seine Freunde und Kollegen haben ihm vorgelogen, der Mann, der ihn einst ins Koma schoss, sei tot…

Henning Baum: Das ist das alte Dilemma, wenn Menschen einem aus Sorge, man würde die Wahrheit nicht verkraften, etwas verheimlichen. Dadurch wird man regelrecht entmündigt. Das ist das Problem!

TVdirekt: Können Sie gut gemeinte Notlügen unter Freunden tolerieren?

Henning Baum: Ach, manchmal ist es ja vielleicht auch richtig. Nicht jeder kann mit der Wahrheit umgehen. Dennoch ist Ehrlichkeit für mich in einer Freundschaft ungemein wichtig.

TVdirekt: Mick haut nach dem Vertrauensbruch einfach ab. Würden Sie auch so reagieren oder lieber darüber reden?

Henning Baum: Ach, so eine schöne Hütte im Wald, wäre für mich schon eher eine Alternative. Ganz nach dem Motto: Jetzt wird mal nicht diskutiert,

TVdirekt: Ist das ein besonders männlicher Zug, Dinge mit sich alleine abzumachen?

Henning Baum: Ich habe darüber gelesen, es scheint tatsächlich in unserer Entwicklung verankert zu sein, dass Männer Probleme mit sich selbst ausmachen und sie nicht aller Welt mitteilen. Das ist meistens falsch – manchmal aber eben auch richtig. Es bedarf zumindest eines klugen Gegenübers, das den Dialog einfordert.

TVdirekt: Wie der Bulle im Wald als Jäger und Sammler zu leben, ist auch ein Traum von Ihnen, nicht wahr?

Henning Baum: Klar! Aber ich hätte auch Lust segeln zu gehen. Nur leben wir nicht nach dem Lustprinzip. Ich habe hier feste Dienstzeiten, muss das Plansoll dieser vierten Staffel erfüllen, damit es den großen Sprung nach vorne gibt.

TVdirekt: Sie sind aber diszipliniert!

Henning Baum: Ich bin längst nicht diszipliniert genug.

TVdirekt: Im Beruf oder privat?

Henning Baum: Beruflich kann ich nicht mehr drauf legen, da fahre ich maximal auf Anschlag und versuche aus jeder Szene alles rauszuholen, sie vollständig zu durchdenken, damit ich ja nichts übersehe. Das geht natürlich nur mit guten Kollegen. Ich bin begeisterter Teamplayer, weil sich oft im gemeinsamen Spiel erst die Details offenbaren und lebendig entfalten.

TVdirekt: Besonders lebendig ist auch die Szene unter der Wildwasser-Dusche. Da zeigen Sie regelrecht  Posterboy-Qualitäten. Wie wichtig ist Ihnen Ihr durchtrainierter Körper?

Henning Baum: Der Körper ist mein Instrument. Der Verstand bereitet zwar die Texte vor, doch der Körper muss sie spielen, sie mit Leben füllen. Denn im Körper liegt die Fantasie, das Gefühl. Um ihn zu trainieren, benutze ich möglichst keine Gewichte, die machen einen nur langsam.

TVdirekt: Die Nacktszenen in der Auftaktfolge werden Ihren Facebook-Fan-Account auf zum Glühen bringen. Wie fühlen Sie sich als Sex-Symbol?

Henning Baum: Auch nicht anders als vor dem Hype. Ehrlich! Ich hab mich schon zuvor sehr wohl mit mir und meinem Leben gefühlt und ich glaube, dass es den meisten Männern genauso geht. Und zwar völlig egal, ob sie im Fernsehen auftreten oder nicht.

TVdirekt: Ärgert Sie diese oberflächliche Wahrnehmung, wenn alle immer von den sexy Muskelpaketen und der coolen Macho-Attitüde reden, anstatt über Henning Baum, den Schauspieler?

Henning Baum: Da geht es mir wie dem Arzt, der von seinen Patienten wegen seiner Qualitäten als Heiler geschätzt werden möchte und nicht wegen seiner schick eingerichteten Praxis.

TVdirekt: Sie sind als "Bulle" so erfolgreich, kann man sich da nicht mal zurücklehnen und einfach nur genießen?

Henning Baum: Im Gegenteil! Wenn man sich auch nur einen Augenblick ausruhen würde, wäre das ein ganz großer Fehler. Kennen Sie nicht den Survivor-Song "Eye oft the Tiger"? Da heißt es: So many times it happens too fast, you change your passion for glory, don't lose your grip on the dreams of the past. Kurz und knapp gesagt: Wenn man seine Leidenschaft dem Ruhm opfert, kann man schnell die Bodenhaftung verlieren. Erfolg kommt von Schweiß treibender Arbeit. Das heißt: Jeden Tag aufs Neue alles auf den Prüfstand stellen, nach den schönen Momenten wühlen und die Spielfreude immer wieder neu wecken, immer am Ball bleiben!

TVdirekt: Mick bekommt es mit einer Controllerin zu tun, die ihm genau auf die Finger schaut. Für den Bullen nicht so einfach. Mögen Sie Frauen, die bestimmen wo's lang geht?

Henning Baum: Beruflich finde ich Frauen, die  Entscheidungen treffen, die gründlich durchdacht sind, genauso gut wie Männer. Aber ich mag sie deshalb nicht mehr. Da zählen doch eher andere Kriterien.

TVdirekt: Worauf achten Sie also bei Frauen?

Henning Baum: Sie meinen, ob ich mehr auf Brüste oder auf Hintern kucke? Da muss ich Sie enttäuschen: Ich schaue immer zuerst ins Gesicht. Natürlich schätze ich es, wenn eine Frau warmherzig ist, geistreich und Humor hat, aber das sind am Ende doch nur Allgemeinplätze. Das mag doch jeder und ich will mich da nicht an ein paar Kriterien festmachen lassen. Menschen sind so vielschichtige Wesen.

TVdirekt: Und was finden Sie an Frauen so richtig anstrengend?

Henning Baum: Dass sie so viel reden.

TVdirekt: Leben Sie also nach dem Motto: "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold"?

Henning Baum: Das passt sehr gut. Ich treffe mich oft mit meinen Freunden und dann schweigen wir zusammen. Das tut gut.

TVdirekt: Wie viel Bulle geht noch? Eine fünfte, eine sechste Staffel und so weiter…?

Henning Baum: So weit in die Zukunft zu planen, ist nicht mein Ding. Dazu bin ich zu sehr Gegenwartsmensch.

Interview: Sabine Krempl
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