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Interview mit Christian Berkel
Foto: Christian Berkel
US-Stars sind besessen!
Christian Berkel (geboren am 28. Oktober 1957 in Berlin) der sich an der Seite von Tom Cruise in „Operation Walküre“ und mit Brad Pitt in „Inglourious Basterds“ zuletzt auch im US-Kino tummeln durfte, kehrt dennoch als „Der Kriminalist“ immer wieder ins deutsche TV zurück.


Sie haben einmal gesagt, letztlich könne man nur etwas spielen, das ein Aspekt von einem selbst ist. Zuletzt sah man Sie als Polizist, Widerständler, Nazi–Offizier… Sind Sie ein Zerrissener?
Vielleicht auch… aber dahinter steckt eher der Versuch vielschichtig zu sein. Wir alle setzen uns aus einer Fülle von Eindrücken und Prägungen zusammen und als Schauspieler hat man die Möglichkeit all diese Aspekte, die ja jeder in sich trägt, mehr auszuleben und vielleicht zu vergrößern.

Sie haben schon als kleiner Junge beschlossen Schauspieler zu werden. Gab’s nie andere Berufswünsche?
Komischerweise nicht. Zuvor wollte ich noch Stierkämpfer und Taucher werden. Aber seit meinem ersten Theaterbesuch mit sechs Jahren wollte ich nur noch Schauspieler werden. Das hat natürlich erst keiner ernst genommen, aber als ich mit 14 immer noch nur Schauspieler werden wollte, war das anders.

Sie haben sich auch ganz schön reingehängt, zogen umgehend nach Paris, um dort Jean-Louis Barrault, die Schauspiellegende aus „Kinder des Olymp“, zu überreden, Sie zu unterrichten.
In dem Beruf hängen sich früher oder später doch alle rein. Ob das für die Schauspielerei entscheidend war, weiß ich gar nicht, für mein Leben war’s das.

Hört sich nach klarer Start-Ziel-Ausrichtung an. Sind Sie ein geradliniger Typ?
Das stimmt. Diese Geradlinigkeit hat mir Sicherheit, innere Festigkeit gegeben.

Auch „Der Kriminalist“ ist ein Bulle durch und durch, ohne ausgedehntes Privatleben.
Ich mag das sehr. Er ist ein Mensch, über den man am meisten erfährt, wenn man ihm bei der Arbeit zusieht. Das würde ich im Wesentlichen auch über mich sagen. Trotzdem kommen in der neuen Staffel mit seiner Ex-Frau, die überraschend wieder in sein Leben tritt, einige neue Aspekte hinzu.

Werden Sie der Reihe trotz des internationalen Erfolges treu bleiben?
Im Moment auf jeden Fall, weil mir gerade die neue Entwicklung besonders großen Spaß macht und die aktuelle Staffel bestimmt die Stärkste ist, die wir bislang gedreht haben.

Ihre Frau Andrea Sawatzki hat gerade Ihren Abschied vom Tatort bekannt gegeben. Schon mal daran gedacht, ihre Nachfolge anzutreten?
Nee, Nee, Nee (lacht) Ich entwickle mit den Autoren die „Kriminalist“-Reihe weiter. Und in der zweiten Jahreshälfte bleibt mir Zeit für nationale und internationale Kino-Projekte.

Mit Anfang 50 haben Sie eine Hollywoodkarriere gestartet. Schmeichelt Ihnen der Sprung ins US-Kino?
Das ist schon etwas Besonderes. Und es schmeichelt auch, das kann man offen sagen. Hollywood war bis dahin für mich so weit weg, dass ich mich nicht mal sehr bemüht habe, den Sprung zu schaffen und nicht mal einen Agenten in Amerika hatte. Ich habe da einfach Glück gehabt.

Welchen Einfluss hat dieser Erfolg auf Sie persönlich?
Mit Anfang 20 trifft einen so ein Karriereschub sicher mit ganz anderer Wucht. Mit Anfang 50, wenn man den Beruf schon von so vielen Seiten erlebt hat, weiß wie vergänglich manches ist, und mehrfach gelernt hat mit den Aufs und Abs zu leben, sieht man das nüchterner. Aber trotzdem ist es beeindruckend. Vor allem die Arbeitsweise, die viel intensiver ist.

Was heißt das genau?
Ob das nun die Regisseure Bryan Singer, Spike Lee oder Quentin Tarantino waren, oder Schauspieler wie Tom Cruise oder Brad Pitt, sie alle bestechen durch ihre Besessenheit, durch unglaubliche Intensität. Und sie scharen nur Leute um sich, die genauso arbeiten wollen.

Kann man neben millionenschweren Stars wie Cruise oder Pitt überhaupt ebenbürtig agieren oder gibt es da Hierarchien am Set?
Es gibt sicherlich eine unausgesprochene Hierarchie. Das sind schließlich Leute, die nicht seit drei oder fünf Jahren Stars sind. Die halten sich zum Teil seit 20 Jahren ganz oben an der Spitze. Und das bedeutet in den USA, wo der Boden ja etwas heißer ist als bei uns, dass man sich ständig erneuern muss. Letzten Endes weiß keiner wie Erfolg gemacht wird, aber die Erfahrung im Umgang mit Themen und Publikum spürt man. Es ist schon beachtlich, wie sich diese Leute in der Spur halten, bei all den erwünschten und unerwünschten Ratgebern, die sich um einen Star scharen.

Können diese Hollywoodstars dabei überhaupt noch echt bleiben?
Dem Problem zur eigenen Kunstfigur zu werden, muss sich ein Star dieser Kategorie sicher stellen. Wenn ich überall auf der Welt erkannt werde, bin ich keine Privatperson mehr und dann muss ich sehen, wo ich so etwas wie Realität und ein normales Leben finde. Letztlich muss ich dann auch die Normalität inszenieren. Was das bedeutet, kann man sich in dieser Dimension wohl gar nicht vorstellen, wenn man es nicht erlebt hat. Ich stelle es mir hart vor.

Sie beneiden einen Brad Pitt also nicht um seinen Starruhm?
Ich weiß nicht… Jeder Schauspieler hat doch das Ziel nach oben zu kommen. Und das bedeutet Öffentlichkeit. Wenn jemand keine Öffentlichkeit will, warum geht er dann überhaupt in diesen Beruf? Es mag schon sein, dass sich der ein oder andere anfangs keine Vorstellung davon macht, aber später noch darüber zu jammern, dass man auf der Straße erkannt wird, ist doch absurd. Ich finde den Beruf insgesamt toll und habe meine Entscheidung noch keine Sekunde bereut, auch in schlechteren Zeiten nicht.

Wenn Sie auf der Straße nicht erkannt werden wollen, wie machen Sie das?
Früher reichte schon eine Mütze, aber durch den Kriminalisten genügt das immer weniger.

Empfindet man nach Ausflügen ins US-Kino deutsches Fernsehen nicht als Liliput-Version?
So schlimm ist es nicht. Wir sind hier in Deutschland eher Guerillakämpfer, müssen mit viel weniger zurecht kommen. Aber das kann auch kreativ machen. Wenn ich in einer 100 Millionen Dollar-Produktion die Hauptrolle spiele und die geht schief, dann bin ich am Ende. So schlimme Folgen hat ein Flop in unseren Dimensionen nicht.

Wird Ihr nächster Film eine 100-Millionen-Dollar-Produktion?
Im Gegenteil, es wird eine deutsche Low-Budget-Produktion. Ab Oktober drehe ich fürs Kino einen Psycho-Horror-Thriller, in dem ich einen Menschen spiele, dessen Leben komplett aus den Fugen gerät.

Und wann ruft Hollywood wieder?
Man weiß das bei den Amerikanern nie. Und natürlich hoffe ich darauf. Aber das ist eine Sache, die man mit Ruhe und Geduld angehen soll. Immerhin habe ich mir in Amerika nun ein Management gesucht. Jetzt kommt’s wie es kommt und ich bin bereit.

Interview: Sabine Krempl



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