„20 Minuten lang einen unglaublich, noch nie da gewesenen Stunt.“
Wenn man an die Mutter aller deutschen Actionserien, „Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei“ (RTL) denkt, sieht man vor seinem inneren Auge unweigerlich rasende Autos an sich vorbeischlingern, Tanklastzüge gewaltig explodieren und das Gesicht von Erdogan Atalay (* 22.9.1966 in Hannover). Der Sohn einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters ist seit Folge 3 als Kriminalhauptkommissar Semir Gerkhan auf den Autobahnen und Bundesstraßen der Nation unterwegs, um üble Verbrecher zu stellen. Die Arbeit macht dem Autofan Atalay sichtlich Spaß, und diese Freude am Spiel kann der Schauspieler auch im Interview vermitteln. Erdogan Atalay ist bester Laune...
Was hat Sie 1996 dazu bewogen, bei „Alarm für Cobra 11“ als Kriminalhauptkommissar Semir Gerkhan einzusteigen?
In erster Linie das angebotene Casting, das ich gemacht habe. Dann habe ich mir genau überlegt, ob ich weiterhin Theater spielen möchte, oder ob ich zum Fernsehen gehe und dieses neuartige Format mache, was es bis dahin noch nicht gab. Ich wollte einfach mal gucken, wie das ist. Am Anfang hat keiner so recht dran geglaubt, aber dann ist es bis heute doch bestehen geblieben. Seit den Babyschuhen bin ich dabei, mittlerweile bin ich erwachsen geworden, mal gucken, ob wir miteinander alt werden.
Werden Sie nach elf Jahren „Cobra 11“ in ein Schema gepresst?
In unserer Fernsehwelt als Fernsehheld muss man immer dagegen ankämpfen, dass man Serienheld ist. Es ist ein deutsches Phänomen, dass nur die wenigsten glauben, dass Leute, die lange im TV spielen, auch noch was anderes können. Außerdem haben die meisten, die über „Cobra 11“ berichten, gar keine Ahnung, wie sich die Serie entwickelt hat. Man rennt also gegen Windmühlen an und wird irgendwann müde davon. Auch in der Filmbranche selbst wird man in eine Schublade gesteckt. Es klingt immer so, als ob das was man macht, nicht gut genug wäre.
Die ist eine echte Oma nach heutigen Standards. Warum glauben Sie, hat „Alarm für Cobra 11“ immer noch so tolle Einschaltquoten?
Ich glaube, es hat etwas damit zu tun, dass wir nie stagniert sind mit dem, was wir gemacht haben, sondern dass wir immer einen Schritt weiter gegangen sind. Nicht nur was die Stunts angeht, sondern auch die ernsten Geschichten, die wir erzählen wollen. Alle, die dabei sind, haben sich weiterentwickelt. Außerdem arbeiten wir akribisch und schludern nicht.
Was macht Ihnen bei den Drehs am meisten Spaß?
Am meisten Spaß machen mir die emotionalen Elemente der Figuren. Obwohl sie sehr anstrengend sind. Das Drehbuch ist nur eine Blaupause, je nachdem wie die Vorgabe ist, versuchen wir es zu toppen. Außerdem gibt es bei „Alarm für Cobra 11“ nicht die Einteilungen „Hauptdarsteller“ und „der Rest“. Wir sind ein Team, und ich liebe Teamwork.
Kann es bei Ihren Stunts gefährlich werden?
Wenn die Seile reißen, ja. (lacht) Aber toi, toi, toi, bis jetzt haben sie immer gehalten. Man trägt allerdings immer ein Restrisiko. Die Überschläge mit den Autos dürfen wir gar nicht fahren, das machen die Stuntleute. Oder es sitzt gar keiner mehr drin, wenn die Überschläge zu heftig sind. Ich mache die Stunts selbst, bei denen man mich sehen soll. Nur so aus Spaß wären die Stunts zu heikel.
Welches Auto fahren Sie privat?
Ich fahre Maserati. Ich mag Sportwagen – die Motorisierung und die Form. Ehrlich, ich würde auch ein Hybridauto fahren, aber bisher hat man es nicht geschafft solche Wagen mit genügend Power auszustatten.
Wie fahren Sie?
Ich fahre schnell, aber nur wenn die Straße frei ist. Je schneller ich fahre, desto defensiver und weitsichtiger bin ich unterwegs. Ich gefährde niemanden und bin kein Drängler. Was ich nicht leiden kann, sind Leute, die auf der Autobahn plötzlich ohne Blinken und Blick in den Rückspiegel auf die Überholspur wechseln und dort mit 90 km/h auch bleiben. Bekloppt. Fast schon ignorant. Diese Fahrer haben gar keine Ahnung, was durch ihr Verhalten passieren kann.
Tut es Ihnen manchmal leid, wenn die Autos in „Alarm für Cobra 11“ geschrottet werden?
Manche Autos, die wir kaputt machen sehen total schick aus, sind es aber nicht mehr. Andere sind Prototypen, die von Mercedes und BMW gesponsert werden und gar keine Straßenzulassung haben. Mir tut es leid, wenn wir alte Autos kaputt machen. Wir haben beispielsweise mal einen Rolls Royce und eine Triumph Spitfire gesprengt. Das sind Oldtimer, die gibt’s nie mehr wieder.
Gab es mal eine ganz besondere Auto-Explosion?
Na ja, es gab da eine richtig tragische Geschichte: Wir hatten mal ein Auto zum Explodieren und zum Brennen gebracht ... und plötzlich ging die Hupe an! Dann die Lichter, die Blinker, alles ging an, das Auto ist sogar noch ein Stück gefahren – und keiner wusste warum. Wir standen alle da und waren total betreten. Das war ein sonderbarer Moment, meine Güte. Herzzerreißend. Der Wagen hat sich schreiend verabschiedet. Aber ... es war ein schönes Bild.
Nehmen wir an, Sie würden aus der Serie aussteigen. Was für ein Ende stellen Sie sich für Ihre Figur vor?
20 Minuten lang einen riesigen, unglaublichen, noch nie da gewesenen Stunt und die restlichen 40 Minuten eine Großaufnahme von meinem Gesicht und dazu ein Monolog. (lacht). Im Abspann hätte ich dann noch gerne alle Folgen in Kurzform. Ach ja, und alle Partner tauchen in einer Schlange auf und verabschieden sich.