zum „Rosa-Roth“-Dreiteiler „Der Tag wird kommen“
Ausländerhass, Antisemitismus, häusliche Gewalt – für ihre „Rosa Roth“-Reihe ist Iris Berben kein Thema zu heiß. Zum zehnjährigen Jubiläum wagt sie sich in „Der Tag wird kommen“ an den internationalen Terrorismus. TVdirekt sprach mit der Bundesverdienstkreuz-Trägerin über terroristische Motive, Angst, Toleranz und private Verschnaufpausen.
Dem Film stehen die vom Dalai Lama formulierten 7 Todsünden der modernen Gesellschaft voran? Was bedeutet das, Frau Berben?
Sie sind als Überschrift für diesen „Rosa Roth“-Film sehr geeignet. Denn sie zeigen auf, woran unsere Gesellschaft krankt, machen den Zynismus, der sich in unsere Welt geschlichen hat, erkennbar
Rosa Roth beschäftigt sich diesmal mit internationalem Terrorismus. Ein sehr großes Thema für eine Krimi-Reihe, oder nicht?
„Der Tag wird kommen“ hat sich einen unüblichen Aspekt heraus gegriffen. Statt um die bekannten religiösen oder machtpolitischen Motive für Terrorismus, geht es hier hauptsächlich um wirtschaftliche Interessen, um deren Zynismus und die Mechanismen.
Wie nahe ist der Dreiteiler um europäische Waffenhändler und einen metallfreien Keramikrevolver an der Realität?
Europa spielt in dieser Branche durchaus eine bedeutende Rolle. Der Terrorismus findet nicht nur im Nahen Osten statt. Er ist in London, in Madrid, er ist nahe. Denken Sie an die Kofferbomben! Und auch wenn es genau diesen Revolver nicht gibt, wird doch an solchen Waffen gearbeitet.
Dann wären Sicherheitsvorkehrungen, die wie am Flughafen nach Metall suchen, doch völlig sinnlos, oder?
Sicherheitsmaßnahmen hinken immer hinterher, sie können nur reagieren auf eine Bedrohung, die schon existiert.
Empfinden Sie die Gefahr selbst so unmittelbar?
Ich bin ja auch nicht nur Schauspielerin. Ich bin eine Frau, ich habe ein Kind groß gezogen, habe Freunde, führe ein reales Leben, habe eine Meinung und sehne mich eben auch nach dem kleinen Glück. Und der Film sagt: Es gibt keine Sicherheit mehr. Nirgendwo. Dazu muss es nicht zu einem Anschlag kommen. Die Verbreitung der Angst ist das Schlimme.
Sind wir Durchschnittsbürger überhaupt ausreichend informiert?
Es ist immer eine Frage dessen, wie viel man den Menschen zumuten will, ohne Aggression oder Resignation zu schüren. Vielleicht sollte man durch mehr Aufklärung die Belastbarkeit hochschrauben, um die Menschen gegen die Panikmache durch Alarm-Meldungen in manchen Medien zu wappnen. Sich zu informieren erfordert aber auch Eigenverantwortung. Das ist anstrengend, gehört aber zu der Freiheit, die wir hier genießen.
Ein Menschenleben ist den Schurken in „Der Tag wird kommen“ nichts wert. Finden Sie die Brutalität des Dreiteilers für den Sendeplatz vertretbar?
Der Film ist schmerzhaft und verstörend, aber in der Darstellung sehr zurückhaltend. Die Leute, um die es da geht, operieren mit dieser menschenverachtenden Radikalität, mit dieser Kälte. Dem muss man sich stellen.
Sie nutzen die Krimi-Reihe nicht zum ersten Mal für Ihr Engagement gegen Antisemitismus. Welche Wirkung erhoffen Sie sich von „ Der Tag wird kommen“?
Jenen, die nur religiöse Fanatiker dahinter vermuten, ein wenig Information über die Vielfalt der unterschiedlichen Interessen geben, die im internationalen Terrorismus eine Rolle spielen Uter anderem eben auch starke wirtschaftliche. ungroße Rolle zu geben, die wirtschaftliche Interessen, im internationalen Terrorismus spielen.
An Hochschulen wird zur Meldung islamistischer Studenten aufgerufen. Ist das notwendige Vorsicht oder schon Denunziation?
Eine solche Meldepflicht birgt große Gefahren. Was für ein geistiges Klima schaffen wir da an unseren Hochschulen!
Ist es schwer, prominente Mitstreiter für Ihr Engagement zu finden oder halten Sie Ihr Engagement bewusst so persönlich?
Das war keine Entscheidung, das hat sich so ergeben. Ich bin geprägt von der Geschichtsvermittlung, die ich schon vor fast 40 Jahren im Kibbuz in Israel erlebt habe, von Gesprächen, die ich als 18-Jährige mit Holocaust-Überlebenden geführt habe. Das war mir lange zu persönlich, so dass ich mein Engagement erst nach vielen Jahren auf Zureden enger Freunde öffentlich gemacht habe. Die Reaktion bei Kollegen war zurückhaltend. Manche fürchteten sogar, ich verschrecke damit Teile meines Publikums.
Haben Sie nie Angst, selbst Opfer jener Missstände zu werden, die Sie bekämpfen?
Ich bin kein Typ für Heldentum und natürlich bin ich nicht frei von Angst. Ich habe immer wieder Briefe bekommen. Dafür genügte es schon, Jahre lang mit einem jüdischen Mann zusammen zu sein. Es gab Drohungen bei Lesungen, die in mir aber eher Wut als Angst erzeugten. Die Wut hilft mir, nicht zurück zu weichen, mich nicht einzuschränken. Denn andererseits gibt es doch viel mehr Zuspruch. Er überwiegt alles und gibt mir die Kraft und die Legitimation, weiter zu machen.
Große Rollen spielen, für Toleranz, für Menschlichkeit und gegen Rassismus eintreten. Hängen Sie auch mal richtig durch? Wo und wie tanken Sie wieder auf?
Natürlich hänge ich auch mal durch, es kostet ja Kraft. Und auch ich brauche Momente, in denen ich nicht funktionieren muss. Sie sind die größte Form von Freiheit, die ich genieße. Dann lese ich, tauche in andere Welten ein. Oder ich reise, um unbeobachtet und ohne Verpflichtungen in den Tag hinein leben zu können. Am Meer, auf einem Marktplatz, in einer Fischerkneipe – da tanke ich auf.