Mit den „Wilde Kerle“-Filmen wurden Wilson Gonzalez (19) und Jimi Blue Ochsenknecht (17) zu umjubelten Teenie-Stars. In Rainer Matsutanis Film „Gangs“ stehen die Brüder nun erneut gemeinsam vor der Kamera. In einer Berliner Hotelsuite erzählen sie von kreischenden Mädchen, ihrer Musik und wie es im Leben weitergehen soll …
Im Film spielst du Wilson den Harten und Jimi den Zarten. Wie sieht das im echten Leben bei Euch aus?
Jimi: Eigentlich ist es andersrum. Wilson ist eher der chillige und relaxte Typ und ich eher der aufgedrehte.
Wilson: Stimmt! Ich bin eher der Zurückhaltende und auf jeden Fall das komplette Gegenteil zum Chris im Film.
Im Film gibt’s richtig was auf die Mütze. Habt Ihr die Stunts alle selbst gemacht?
Jimi: Bis auf die Motorrad-Stunts haben wir eigentlich alles selbst gemacht. Vor dem Film hatten wir drei Wochen Coaching mit Kampf-Training, wo wir für den Fight mit den „Killaz“ eine Choreografie wie beim Tanzen einstudiert haben.
Prügelt Ihr Euch im echten Leben auch mal?
Wilson: Es gibt vielleicht mal ’ne Rangelei. Ich bin aber auf keinen Fall einer, der darauf aus ist.
Hat es Vorteile, einen berühmten Vater zu haben? Bekommt man da leichter eine Rolle?
Wilson: Wir haben noch nie ‘ne Rolle durch unseren Vater bekommen.
Jimi: Man bekommt höchstens mal leichter einen Vorsprech-Termin.
Wilson: Aber da muss man dann trotzdem hingehen und zeigen, was man kann oder ob man für die Rolle passt.
Jimi: Ich glaube sogar, dass es Leute, die einen berühmten Vater haben, schwerer haben. Da wird genauer hingeschaut, und wir müssen mehr beweisen als manch anderer.
Gibt er euch Schauspieltipps?
Wilson: Ich arbeite fest mit einem Schauspielcoach zusammen. Und wenn es Fragen gibt, wende ich mich an ihn.
Jimi: Unser Vater hat zwar gesagt, wenn wir Fragen haben können wir gerne kommen. Er hat die Antworten. Aber bis jetzt kam es eigentlich noch nie dazu.
Wilson: In meinem neuen Film hatte ich z. B. eine Nacktszene, wo ich mit einem Mädchen schlafen musste, da hätte ich ihn auf keinen Fall fragen wollen.
Jimi: Ich finde das auch gut so. Eigene Erfahrungen sammeln, hilft einem weiter. Da lernt man mehr, als wenn einem immer einer sagt, was man tun soll.
Habt Ihr je eine Schauspielschule von innen gesehen?
Jimi: Nö, ich nicht, wir haben ja vor jedem Film drei, vier Wochen Coaching, das ist ja fast wie auf einer Schule.
Wilson: Ich war auf ’ner Kunstakademie in Kalifornien, wo ich im Fach Film in allen Bereichen Unterricht hatte.
Wie lange hat das gedauert?
Wilson: Eigentlich drei Jahre, aber nach einem Jahr hab’ ich aufgehört. Ich komm’ mit dem Unterricht mit zehn anderen in der Klasse einfach nicht klar.
Seit den „wilden Kerlen“ seid Ihr richtige Teenie-Stars. Rennen euch die Mädels nicht die Bude ein?
Jimi: Ne, überhaupt nicht, die wissen ja gar nicht, wo wir wohnen.
Wilson: Ich geh’ ganz normal weg und man kriegt ’nen guten Instinkt, wer o.k. ist.
Jimi: Es ist ja nicht so, dass wenn wir auf die Straße gehen, dass da Mädchentrauben kreischen, das ist nur bei Veranstaltungen oder Konzerten so. Wenn man normal unterwegs ist, akzeptieren die meisten eigentlich unsere Privatsphäre.
Wilson wie ist das für Dich als Älteren, dass eher Dein kleiner Bruder für Ohnmachtsanfälle bei den Mädchen sorgt?
Wilson: Ist schon o.k. Ich brauch’ keine 1000 Mädels, die mir nachlaufen. Die sind mir eh alle zu jung.
Wie steckt Ihr den Trubel um Eure Person weg?
Jimi: Für uns ist Trubel normal. Unser Vater ist ja Schauspieler und Musiker. Außerdem haben wir Eltern, die uns sehr auf dem Boden halten.
Wilson: Da spielt auch das Umfeld eine Rolle. Meine engen Freunde sind normale Leute, die studieren oder im Büro sitzen. Bis auf ein paar Ausnahmen sind das keine Schauspieler. Die behandeln einen ganz normal, und durch die bleibt man auf dem Boden.
Jimi: Wenn man nur mit Leuten vom Film oder mit Musikern rumhängen würde, würden wir ganz schnell da landen, wo wir nicht landen wollen. Wir wollen nicht abgehoben, arrogant oder eingebildet sein.
Glaubt Ihr, dass es schwierig wird, den Sprung vom Teenie-Star zum „ernsthaften“ Schauspieler zu schaffen?
Wilson: Ich bin gerade in dem Übergang, und es sieht gut aus, dass mir mit der Theaterverfilmung „Frühlings Erwachen“ und „Habermann“, einem Film über die Vertreibung der Sudetendeutschen, gelingen könnte.
Hat man bei so vielen Projekten noch Zeit für eine Freundin?
Wilson: Ne eben nicht, deshalb hab’ ich ja im Moment auch gar keine Lust auf eine Beziehung.
Jimi: Ich hab’ auch keine Lust auf ’ne feste Beziehung.
Ich habe gelesen, Ihr wolltet zusammen nach Berlin ziehen. Wie sieht’s damit aus?
Wilson: Ich hab’ inzwischen eine Wohnung in Berlin Mitte.
Jimi: Meine Eltern erlauben mir erst mit 18 auszuziehen. Also bin ich noch in München und da werd’ ich wahrscheinlich auch bleiben.
Und was hat Dich nach Berlin gezogen, Wilson?
Wilson: München ist für mich so ’ne Familienstadt. Sauber, mit Polizei überall, die Ärger macht, wenn man bei rot über die Ampel geht. Hier ist es zwar ein bisschen dreckiger, dafür ist immer was los.
Ihr seid beide auch als Musiker erfolgreich. Seht Ihr Euch eher als Schauspieler oder als Musiker?
Wilson: Wir sehen uns als Künstler!
Jimi: Ja, das hört sich gut an.
Ihr singt beide auf Englisch. Warum nicht auf Deutsch?
Wilson: Ich finde, Englisch ist einfach vielfältiger und man kann sich besser ausdrücken.
Jimi: Ich mache ja Hop mit Hiphop-Einflüssen und da gibt’s bei uns schon so viele Musiker, die auf Deutsch rappen. Da wollte ich mich einfach abheben.
Schreibt Ihr Eure Songs selbst?
Wilson: Ich schreib’ die Texte alle selbst. Die Musik entsteht dann zusammen mit der Band.
Jimi: Ich mach’ das mit einem Songwriter. Ich setze mich mit dem zusammen und wir besprechen, über welche Themen ich rappen oder singen will. Später gehen wir die fertigen Texte noch einmal durch, und ich sage, was mir nicht gefällt. Ich würde sagen, wir sind ein Team.
Wer sind Eure musikalischen Vorbilder?
Jimi: Bei mir ist es auf jeden Fall Pharrell Williams, ein bekannter HipHop-Star und Produzent aus Amerika.
Wilson: Da gibt’s eine ganze Menge. Jack White von den White Stripes, Queens of the Stone Age, The Smith, Led Zeppelin, Black Sabbath, The Clash, Art Monkeys, Kings of Leon.
Habt Ihr außer Film und Musik noch andere Hobbys?
Wilson: Ich male viel und geh’ gerne ins Kino.
Jimi: Ich steh’ auf Trickskifahren, Motorcross-fahren und Surfen.
Wilson: Das hört sich jetzt an, als wäre ich unsportlich. Ich spiel’ schon auch mal Fußball.
Könnt Ihr Euch vorstellen, wo Ihr in fünf Jahren sein werdet?
Wilson: Das will ich heute noch gar nicht wissen.
Jimi: Keine Ahnung. Ich will aber noch viel erreichen. Ich will weiter Musik und Filme machen, auf jeden Fall noch ein Modelabel aufmachen und bald meine Beats als eigener Produzent herausbringen.
Interview: Michael Kubath
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