Im ARD-Zweiteiler „Störtebeker“lässt Ken Duken am Osterwochenende als legendärer deutscher Pirat die Muskeln spielen . TVdirekt traf den 26-Jährigen zum Interview…
Sie spielen einen legendären deutschen Piraten. Was hat Ihnen dabei am meisten Spaß gemacht?
Schon die Vorbereitungen, das Fecht-Training mit den Kollegen in Prag hat Riesenspaß gemacht, aber auch die Dreharbeiten in Litauen und vor allem mit diesen Kollegen einen Film wie „Störtebeker“ zu drehen ist wie Weihnachten und Ostern zusammen gewesen.
Mussten Sie für die Rolle extra trainieren oder sind Sie immer so gut in Form?
Ich bin privat eher der gemütliche Typ mit drei, vier Kilo Übergewicht. Als Störtebeker wollte ich aber keinesfalls wie so ein Surfer-Typ daher kommen. Also habe ich einen Monat lang sieben Tage die Woche Schwertkampf trainiert und dazu gezielt Muskeln aufgebaut. Statt meiner üblichen 79 Kilo wog ich dann 93 Kilo.
Machen Sie weiter mit Fechten?
Mich interessiert Kampfsport überhaupt. Das ist wie Schwertkampf keine dumpfe Prügelei, sondern hat etwas sehr Meditatives. Die Choreographie der Bewegungen, die man erlernen muss, hat etwas sehr Poetisches. Man fängt beim Schwertkampf ganz langsam an. Das sieht dann fast aus wie Thai Chi.
Die Kampfszenen im Film haben manchmal fast etwas Ballettartiges…
Man bewegt sich tatsächlich gerade in historischen Filmen wie im Ballett. Jeder hat seine Position, jede Bewegung muss genau sitzen. Und wir haben wirklich versucht, das Optimum rauszuholen und eine Entwicklung darzustellen. Anfangs kämpft Störtebeker ungestüm, fast mit jugendlicher Dummheit,. Auf dem Schiff wächst er an dem Boxkampf, entwickelt sich weiter zum ernsthaften Gegner bei der Meuterei und wird im zweiten Teil zum kompromisslosen Freibeuter.
Kalkül und Vernunft sind Störtebekers Sache nicht. Ist er einfach nur ein unkontrollierter Hitzkopf?
Der hat eben einen an der Klatsche. Man muss doch auch durchdrehen, wenn man sein Leben lang auf Rache für den Mord an den Eltern sinnt. Und dann begegnet ihm auch noch seine Kinderliebe wieder, die ausgerechnet einen Mann heiraten will, der am Mord an seinen Eltern beteiligt war. Das gießt unablässig Öl ins Feuer und schürt den Rachedurst.
Und er ist dabei nicht zimperlich.
Die Zeit damals war einfach härter. Sogar unter Freunden haute man sich einfach mal aufs Maul und es war normal so. Jochen Nickel und ich haben deshalb auch darauf bestanden, dass das so statt findet. Das gehört zu einem richtigen Piratenfilm dazu.
Störtebeker genießt den Ruf eines Robin Hood der Meere. Wird ihm dieser Mythos gerecht?
Ehrlich? Ich weiß es nicht. Ich habe zur Vorbereitung unzählige Versionen von Störtebekers Biografie gelesen. Und alle widersprechen sich im einen oder anderen Punkt. Nur in einem sind sie sich einig: Er war ein Likedeeler, einer, der die Beute unter seinen Piraten zu gleichen Teilen aufteilte. Das heißt nicht zwangsläufig, dass auch andere arme Leute von seinen Raubzügen profitierten.
Von den Reichen nehmen und den Armen geben. Ist das die richtige Einstellung?
Ist das nicht die Basis unseres Steuerprinzips? Im Ernst. Was ich mit Störtebeker teile, ist sein großes Gerechtigkeitsempfinden. Ich neide keinem den Erfolg oder ein Vermögen, das er sich erarbeitet hat. Ich bin auch in der glücklichen Situation, mein Leben so leben zu können, wie ich möchte. Aber wenn Leute nicht in der Lage sind, jeden Cent, den sie ausgeben auch verdienen zu können, muss man sich eben gegenseitig helfen so gut man kann. Es wird immer schwarze Schafe geben, die dieses Solidaritätsprinzip ausnutzen, aber es ist trotzdem sehr, sehr wichtig.
Das Publikum ist verwöhnt von Piratenabenteuern wie „Fluch der Karibik“. Kann „Störtebeker“ da mithalten?
Schon wegen des Budgets haben wir in Europa dazu nicht die Möglichkeit. Was unser ganzer Film gekostet hat, reicht nicht mal um die Gage eines der Stars zu bezahlen. Deshalb können wir uns auch nicht auf eine Action-Konkurrenz einlassen. Wir haben weniger Action-Szenen, die aber dafür mit großer Liebe zum Detail inszeniert und gespielt sind.
Sie haben die Außenaufnahmen in Litauen gedreht. Wie war die Arbeit dort?
Litauen ist dabei, sich als Filmland in Europa zu etablieren. Das bedeutet, dass die Leute sehr engagiert und ideenreich in der Zusammenarbeit sind. Außerdem ist vieles viel günstiger als in Deutschland. Es gibt nur ein Problem: Litauen heißt „Land des Regens“ – und diesen Namen trägt es zurecht.
Haben Sie für die Szenen auf dem Schiff wirklich Zeit auf hoher See verbracht? Oder entstand das alles am Computer?
Wir haben sehr viel Zeit auf dem Wasser verbracht und alle Spielszenen wurden so gedreht. Nur Szenen, die das Schiff als ganzes auf dem Meer zeigen, wurden am Computer bearbeitet. Für die Leinwand würde die Technik vielleicht nicht ganz ausreichen, aber am Bildschirm müsste es schon gehen.
Das Team war ja international besetzt. War das nicht ein ziemliches Durcheinander beim Dreh?
Wenn Schauspieler in so vielen Sprachen drehen, nennt man das einen Babylonischen Dreh. Für mich ist das mittlerweile normal, da ich in den letzten Jahren sehr viel im Ausland gedreht habe. Man kennt das Drehbuch eh in- und auswendig. Da ist es letztlich egal in welcher Sprache man sein Stichwort bekommt. Obwohl ich zugeben muss, dass litauisch in meinen Ohren schon ein wenig skurril klingt.
Sie haben viel in italienischen, französischen und englischen Produktionen gespielt. Macht Ihnen die Arbeit im Ausland mehr Spaß?
Das ist eine zufällige Entwicklung. Das Ausland war mit Angeboten schneller. Und deshalb habe ich in europäischen TV-Produktionen wie „Mein Vater, der Kaiser“ oder „Die Kinder von Nonantola“ gespielt. Letzterer ist übrigens der meistausgezeichnete Fernsehfilm Italiens geworden. Aber ich glaube dennoch sehr an Deutschland als Filmland und hoffe, dass das bald auf Gegenseitigkeit beruht.
Wie sieht Ihr Spielplan für 2006 aus?
Ich bin gerade in Gesprächen für einige Projekte. Außerdem entwickle ich mit meiner eigenen Produktionsfirma für 2007 einen Film, zu dem ich mit meiner Frau Marisa das Drehbuch geschrieben habe. „Waiting for Eve, die Liebesgeschichte einer 78-jährigen Frau über drei Lebensabschnitte.