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Interview mit Lotto King Karl
Foto: Lotto King Karl
Foto: © Heinke Vogt
Der Mann, der einst als Gerrit Heesemann geboren wurde, sich aber nach einem Lottogewinn – was für eine geniale Legende – in Lotto King Karl unbenannte, ist vor allem in Hamburg bekannt wie ein bunter Hund. Das könnte daran liegen, dass der 39-Jährige mit Songs wie „Hopihalido“ oder „Reeperbahn“ seine Stadt und ihre Menschen besingt. Oder unablässig Konzerte gibt. Oder für Radio Hamburg moderiert. Oder Stadionsprecher beim HSV ist. Oder dass er Hamburg sehr liebt – für alle seh- und hörbar …
Als wir ihn an einem Samstag Abend auf dem Weg ins Tonstudio am Handy erreichen, kommt er gerade von einem HSV-Heimspiel: Hamburg hat verloren. Doch Lotto King Karls „Moin, moin“ klingt weder genervt noch lustlos. Die Art, wie er es sagt, bringt einen ganz schön durcheinander. Obwohl man immer – wirklich immer – bei Interviews ein unverfängliches „Hallo“ als Anrede benutzt, möchte man in diesem Moment unbedingt mit „Moin“ antworten, selbst wenn man aus München kommt … Und stottert ein „Mmo…allo“

Wie kommt man an den Job des Stadionsprechers?
Die Stadionshow machen Radiosender und das war in Hamburg jahrelang der NDR. Schließlich hat diese Aufgabe Radio Hamburg übernommen, und weil ich dort seit sechs Jahren Moderator bin, mache ich den Sprecher. Es ist aber keine Frage des Geldes, weil man für solche Aktionen eigentlich so viel verdienen müsste, dass das kein Mensch bezahlen kann.

Sie werden als Hamburger Lokalgröße bezeichnet. Was bedeutet das?
Zunächst mal ist das eine Berufsbezeichnung. So wie Deichgraf oder Freischärler. Ich und die Barmbek Dreamboys haben in Hamburg ein sehr treues Publikum. Wir hatten zum Beispiel vor kurzem zwei ausverkaufte Konzerte in der Color Line Arena, und das schafft fast keiner. Wir sind nur noch von Herbert Grönemeyer oder Robbie Williams zu schlagen. Selbst die Rolling Stones haben vor zwei Jahren weniger Karten verkauft als wir.

Im Norden also die Größe. Und im Süden?
Wir haben im letzten Jahr eine umfangreiche Deutschlandtour gemacht, die auch sehr erfolgreich war. Das ist was ganz Besonderes. Wenn man zu Hause 28000 Karten verkauft, übertrifft das natürlich alles. Aber es ist toll, in Frankfurt oder München, in Bochum oder Stuttgart auch ausverkauft zu sein. Allerdings werden wir ganz anders wahrgenommen. In einigen Ecken sind wir totale Exoten. Schon alleine wegen unserem Akzent. Obwohl vorher alle glauben, dass wir keinen Akzent sprechen. Wer aus anderen Ecken Deutschlands kommt, merkt aber sofort, dass wir Norddeutsche sind.

Erst vor kurzem erschien das neue Album „Ikarus“. Gibt’s da schön was zum Mitgrölen drauf?
Klar. Wir haben einen guten Vorlauf. Die Single „Keine Grenzen, keine Zäune“ ist drauf und das war ein Nummer-Eins-Hit. Der Song hat sich aufgrund der hohen Regionalverkäufe vorne in den Charts einsortiert. Das bedeutet, dass, wenn man auf Tour geht, die Leute auch in den letzten Winkeln des Landes den Text kennen.

Sie veröffentlichen aber nur wenige Singles …
Wir machen kaum Singles, weil die für den Fan nicht wirklich befriedigend sind. Deshalb legen wir lieber gleich ein Album vor. Da ist ordentlich was drauf und jeder hat was davon. Ist zwar ein hartes Stück Arbeit, aber lohnt sich. Die gleiche Philosophie wenden wir bei Konzerten an. Wir spielen in der Regel bis zu drei Stunden, und der Eintrittspreis ist gering, so um die 20 Euro. Die Leute kommen also gerne. Ich glaube, außer Grönemeyer spielt keiner so günstig.

Nicht schlecht … Wir sind der Meinung, dass wir es so günstig wie möglich anbieten wollen, weil wir diese Ticket-Preis-Arien nicht einsehen. Das ist gegenüber den Leuten nicht fair.

Ist auf der Platte ein WM-Song drauf?
Nein, wir sind eine der wenigen, die mit voller Freude von sich behaupten können, dass sie keinen WM-Song gemacht haben. Ich kann es auch nicht mehr hören. Warum soll man zur WM singen? Die Fans singen sowieso, was die Fans singen wollen, da muss kein Musiker, Moderator, Schauspieler oder sonst wer kommen und was vorbeten. Das ist einfach blöd.

Haben Sie sich für die nahende WM schon etwas gekauft? Eine Deutschlandfahne oder einen offiziellen WM-Ball?
Oh ja, ich hab alles mögliche. Ich hatte das Glück, in einem Werbespot einer der Hauptsponsoren mitzuspielen. Insofern bin ich da auch gut ausgestattet worden. Ich werde mit Stulpen und Stollenschuhen vor dem Fernseher sitzen, wie man sich das von einem Fan vorstellt.

Dann sind auch Sie anfällig für WM-Devotionalien?
Absolut! Man muss sich klar machen, was das für ein Event ist. Und vor allem freue ich mich darauf, Ronaldinho in Deutschland spielen zu sehen. Außerdem: je weiter Deutschland kommt, umso besser.

Gucken Sie auch ein Spiel im Stadion?
Argentinien gegen die Elfenbeinküste. Da wirken ja auch ein paar HSV-Spieler mit.

Wer wird Weltmeister?
Ich glaube Brasilien. Ich denke, dass die Mannschaft individuell stark besetzt sein wird. Die Frage ist, wie stark Frankreich ist, immerhin ist die WM das letzte Turnier von Zidane. Ein Geheimtipp wäre Italien. Auch England hat natürlich immer wieder mal Chancen. Deutschland ist eine Turniermannschaft, kann was bieten. Holland ist auch stark, hatte aber schon bei der letzten internationalen Spielen die stärkste Mannschaft aller Zeiten und wenn sie das damit nicht gewinnen … Ich weiß nicht, wie viele Stürmer die noch brauchen. Tragisch, wenn man das manchmal sieht.

Drei Ihrer Lieblingsspieler?
Ronaldinho ist der beherrschende Spieler. Ich habe auch Pelé spielen sehen und Franz Beckenbauer. Das waren sicher überragende Spieler. Wir haben eine Super WM 1990 von Lothar Matthäus gesehen und 1986 von Maradona. Wir haben Zidane für Frankreich und Ronaldo für Brasilien gesehen. Aber ich glaube, dass man in fünf Jahren sagen wird, dass Ronaldinho der beste Fußballer aller Zeiten ist, weil der Junge an Spielfreude und Personality am meisten mitbringt.

Sie sind ein Multitalent, doch was machen Sie am liebsten? Singen, unablässig reden oder schauspielern?
Bei mir ist das eine ganz gute Mischung. Die Schauspielerei ist ein ganz kleines Randgebiet. Ich werde zwar dieses Jahr wieder einen Film drehen, aber das ist der zweite in vier Jahren. Ich lebe davon, dass ich viel Abwechslung habe. Wenn man beispielsweise ein Album macht, hat man irgendwann einen überladenen Kopf und freut sich, auf die Bühne zu gehen. Dabei bleibt man frisch. Moderation macht auch Spaß. Ich bin froh, dass ich bei Radio Hamburg eine Sendung machen kann, bei der ich freie Hand habe. Ich bin derjenige, der auch mal da rein geht, wo es wehtut und das macht mir Spaß.

Kann es sein, dass Sie ständig am arbeiten sind?
Ich war 1989 zum letzten Mal im Urlaub. Das lag erst daran, dass ich kein Geld hatte und jetzt, dass es zeitlich nicht zu machen ist.

Haben Sie – als treuer HSVler – beim DFB-Pokal-Spiel des FC Bayern München gegen St. Pauli Daumen für Pauli gedrückt?
Natürlich. Wir sind alle Hamburger! Ich hätte es St. Pauli vergönnt. Sie haben das Spiel sehr gut verkauft, was für den Verein spricht. Das Ergebnis ist zwei Tore zu hoch gegen St. Pauli ausgefallen. Aber der FC Bayern ist eine der fitesten Mannschaften in ganz Europa. Wir wünschen uns natürlich alle, dass Pauli in die erste Liga aufsteigt. Wenn der HSV gegen einen Aufsteiger spielt – und das ist jetzt nicht böse gemeint – ist das Stadion nicht ausverkauft. Doch bei St. Pauli ist immer ausverkauft. Es wäre für den HSV sowohl wirtschaftlich, als auch für die Unterhaltung das beste, wenn St. Pauli aufsteigen würde. Das gäbe ein paar tolle Spiele.



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