„Der Erfolg im Fernsehen zählt
Musikerin und DJane Marusha (r.) verstärkt die Jury der neuen Staffel der PRO 7-Casting-Show „Popstars“. Wir haben mit ihr über Tücken, Skandale und Randale im Casting-Showbusiness gesprochen.
Sieht man von den NoAngels ab, ist der Erfolg von Casting-Stars oder –Bands nicht von Dauer. Welche Fehler werden da gemacht?
Das liegt nicht am Fehler einer Person, sondern am System des Ganzen. Eine Castingshow ist eben darauf angelegt, Menschen für ein halbes Jahr zu begleiten und den Erfolg im Fernsehen zu erzielen. Natürlich haben die Besten die Chance, darüber hinaus berühmt zu bleiben. Wie eine Beyonce Knowles, ein Justin Timberlake oder ein Robbie Williams, die alle gecastet wurden. Wenn das Casting-Brimborium vorbei ist, sind viel Motivation und Einzigartigkeit gefragt, um sich auf dem Markt durchsetzten. Das blieb bei den meisten deutschen Casting-Siegern bisher aus.
Bei Popstars kommt ein Publikumsvoting erst am Ende zum Einsatz. Ist das besser als bei DSDS, wo die Zuschauer die Entscheidung treffen?
Eine Jury-Wahl ist, was das Talent des Künstlers betrifft, in jedem Fall ehrlicher. Beim Publikums-Voting kann auch der gewinnen, der nur gut aussieht oder sympathisch ist, der aber nicht das Talent zum Popstar und daher auch nicht die nötige Haltbarkeit besitzt. Ein Popstar ist nicht immer der beste Sänger, der beste Tänzer oder das hübscheste Mädchen mit dem kürzesten Rock. Der aktuelle DSDS-Sieger Mark Medlock ist auch nicht der beste Sänger, aber er bringt den nötigen Lifestyle mit, den ein Popstar braucht. Denn wer will schon einen Popstar, der aussieht wie ein Bankangestellter?
Wie wichtig sind heute Schlagzeilen für einen Popstar?
Daran haben vor allem die Plattenfirmen großes Interesse. Die wollen ihre Künstler in die Zeitung, ins Fernsehen und ins Radio bringen. Ich hatte damals Glück, dass ich genau zur richtigen Zeit das richtige gemacht habe, im Radio rauf und runter gespielt wurde und dann Zeitung, Fernsehen und Radio von selber kamen. Heute ist das eher anders rum.
Von Schlagzeilen profitiert auch DSDS-Aussteiger Max Buskohl… Der hat die ganze Medienpräsenz mitgenommen, die ihm DSDS über Monate gesichert hat, und schmiss kurz vor knapp einfach hin. Das ist nicht fair.
Dafür ist eine Casting-Show nicht gedacht. Da muss ich Dieter Bohlen, der sich darüber sehr geärgert hat, einfach Recht geben. Ich finde das auch nicht so toll.
Manchmal sieht es so aus, als ob die Kandidaten die Chance, die sie da bekommen gar nicht zu schätzen wissen … Das erlebt man schon bei den Castings. Da hat man oft den Eindruck, es kommen welche angeschlappt, weil sie gerade nichts Besseres vorhaben. Es gibt nur wenige, die so ihren Traum leben wollen, die Chance erkennen, Willen und Biss genug haben, um sich da rein zuhängen. Ich mutmaße mal, dass die meisten sich ihr Leben als Popstar in erster Linie glamourös vorstellen und nicht wirklich erkennen, welche Art von Schatz sie da in Händen halten. Sie werden in Gesang und Tanz unterrichtet. Dafür müssen andere einen Haufen Geld hinlegen. Da hoffe ich schon, dass sie das zu schätzen wissen. Ich selbst habe vier Jahre gebraucht, bis ich genug Erfolg hatte, um von meiner Musik leben zu können. Inzwischen lebe ich seit 18 Jahren davon. Da kann ich nicht so viel falsch gemacht haben.
Wie groß ist die Rivalität hinter den Kulissen?
Jeder hat seine zwei Minuten. Diese Chance muss er nutzen, da muss er auf den Punkt konzentriert sein. Es warten ja schließlich noch 200 andere, die die gleiche Chance bekommen sollen. Je weiter man im Casting kommt, desto mehr steigt der Ehrgeiz und damit auch der Druck. Man muss schon stark besaitet sein. Und manchmal bin ich verwundert wie viel Selbstbewusstsein in einem 16-, 17- oder 18-Jährigen steckt. Aber wer schon Probleme hat, vor einer Jury zu singen, wie soll der vor 2000 Leuten auftreten?
Hinter den Kulissen der Bravo-Supershow haben sich die Mädels von Monrose und Bisou regelrecht gekloppt. Liegen da die Nerven einfach blank?
Ich halte das einfach nur für eine sehr unreife Vorstellung, die daher kommt, dass alle noch ziemlich unsicher sind und niemanden neben sich bestehen lassen können. Oder es ist so eine Ego-Nummer von den Mädels aus der zweiten Reihe, die nicht damit fertig werden, dass sie bei Popstars nicht gewonnen haben. Menschen, die sich ihres Erfolges bewusst sind, fühlen sich nicht bedroht. Außerdem sind es Mädels, die sind eh anfälliger für so ein Zickending. Das soll man nicht so ernst nehmen.
Inzwischen machen nicht mehr nur Models und Hollywoodstars Schlagzeilen mit mageren Figuren sondern auch Popstars wie Amy Winehouse. Ist das auch für „Popstars“ gefährlich?
Bei uns geht es in erster Linie darum, ob er oder sie singen und tanzen kann. Da war zum Beispiel ein Mädchen mit einer traumhaften Stimme, die bestimmt über hundert Kilo wog. Die kam in den Recall und auch in den Re-Recall. Erst dann schied sie aus, weil fünf andere Mädels im Tanzen einfach besser waren und richtige Choreografien boten.