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Interview mit Oliver Pocher
Foto: Oliver Pocher
„Ich bin eher breite Masse als arte.“
Oliver Pocher (* 18. Februar 1978)ist immer für einen fiesen Spruch gut. Das macht ihn vor allem beim jüngeren Publikum zur Kultfigur, brachte ihn aber auch schon vor Gericht. Ab 19. April ist der eingefleischte Hannover-
96-Fan nun in der Bestseller-Verfilmung „Vollidiot“ als frauen- und glückloser Telefonverkäufer Simon Peters in seiner ersten Kino-Hauptrolle zu sehen.

Wissen Sie drei gute Gründe, warum man „Vollidiot“ unbedingt sehen muss?
Klar, der Film ist prächtige Unterhaltung, er spricht Singles und Paare gleichermaßen an, und am wichtigsten: Ich spiele mit.

Richtet sich der Film speziell an Männer oder bietet er Unterhaltung für die ganze Familie?
Er ist vielleicht nicht gerade seichte Familienunterhaltung. Aber jeden, der an einer Beziehung interessiert ist und der nicht im Kloster lebt, könnte der Film durchaus interessieren – und auch Spaß machen.

Es war ihre erste große Kinorolle. Haben sie sich vorher einen Schauspiellehrer gegönnt?
Nein, da halte ich nichts von. Ich brauch‘ so Übungen wie „Stuhlentspannung“ oder „Wir legen uns jetzt mal hin und denken, wir sind eine Schildkröte“ nicht. Ich bin kein Freund von Method Acting oder Gehe-in-deine-Kindheit-zurück-Geschwafel. Ich glaube einen Typ zu spielen, der bei Frauen nicht ankommt, das sollte man hinbekommen.

Wieviel Oli Pocher steckt in Simon Peters?
Ich kann einige Situationen durchaus nachvollziehen. Aber ich habe in 15 Jahren bei den Frauen nicht so abgekackt wie Simon in drei Monaten.

Ist „Vollidiot“ ein einmaliger Kinoausflug?
Ich hoffe nicht. Es ist jetzt nicht so, dass ich jede Rolle annehmen muss, aber für gute Rollen und gute Drehbücher bin ich jeder Zeit offen. Und sollte „Vollidiot“ der verdiente Kassenerfolg werden, wäre ich natürlich auch in einer Fortsetzung mit dabei.

Sie haben sich oft als B-Promi bezeichnet. Ist „Vollidiot“ jetzt der Aufstieg zum A-Promi?
Wenn man sagt man ist ein B-Promi oder ein Vollidiot spielt man ja mit seinem Image. Ob man dann wirklich das eine oder andere ist, müssen andere entscheiden.

Im Film geht’s um Aufriss, Sex und Liebe. Wird von Ihnen erwartet, dass der Humor unter die Gürtellinie geht?
Ok. Ficken steht einmal auf meinem T-Shirt. Und auch gevögelt und ungevögelt kommt vor. In der Rolle und als Single geht es halt viel um Sex und darum wie, wann und wo man ihn bekommt. Und da sagt man halt einfach nicht, “Ich hätte jetzt gerne etwas Geschlechtsverkehr“, sondern „Ey Alter, ich muss mal wieder richtig einen reinhalten“.

Man erkennt im Film die Telekom relativ einfach als Simon Peters Arbeitgeber. Warum wird sie nie genannt?
Wir haben bei allen Firmen nachgefragt, die auch im Buch erwähnt werden. Das fing bei Air Berlin an, ging über IKEA und Starbucks bis zur Telekom. Im Film sieht man ja wer mit Namen und Logo vorkommt und mit sich und seinem Image souverän umgehen kann. Und wer einen Stock im Hintern hat und mit sich nicht im Reinen ist. Und da gehört die Telekom auf jeden Fall mit dazu.

In ihrer Karriere gab es einige Aufreger. Man denke nur an ihren Auftritt bei „Gottschalk & Friends“, bei dem sie angeblich Mariah Carey beleidigt haben. Muss man gewisse Skandale provozieren, um im Gespräch zu bleiben?
Gar nicht. Das war nicht geplant, das war ein spontaner Spruch, eine Entscheidungen in Bruchteilen von Sekunden. Bei den meisten kam die „Presswurst“ ja dann auch als Lacher rüber. Den „Skandal“ haben dann erst die Medien daraus gemacht, nicht ich.

Für ihre Beleidigung einer Dame als Außen-Reporter bei „Wetten dass…“ wurden Sie sogar verklagt …
Das ist in Deutschland ja kein Problem. Jeder kann jeden verklagen. Doch die Klage hatte ja keinen großen Erfolg. Zuerst ging es um 35000 Euro, die man damit verdienen wollte. Übrig geblieben sind schließlich 6000. Abzüglich der anteiligen Gerichtskosten war das eher ein Minusgeschäft für die Klägerin. Was sie dann bekam, reichte weder für einen schönen Urlaub, noch für eine Schönheits-OP. Dafür konnte sie aber 1 ½ Jahre lang ein paar Interviews geben und im Mittelpunkt stehen.

Sehen sie sich im TV-Geschäft als unangepasster Außenseiter mit frecher Schnauze?
Unangepasst auf jeden Fall, das was ich sage, denke ich auch immer. Es wird nicht von anderen Leuten geschrieben oder mir in den Mund gelegt, sondern das ist schon meine eigene Meinung. Außenseiter würde ich jetzt nicht sagen. Dafür trete ich zu oft um 20.15 Uhr auf, wo dann schon mal ein paar Millionen Leute gucken. Ich bin schon eher breite Masse als Arte oder WDR. Trotzdem sage ich schon mal Sachen, die nicht jedem passen.

Hat Ihnen schon mal jemand Prügel wegen Ihres frechen Mundwerks angedroht?
Nein, da warte ich noch drauf.

Sind Sie im Privatleben Witze-Erzähler und Zyniker?
Zynisch würde ich nicht sagen, sarkastisch schon eher. Klassische Witze erzähle ich aber nicht. Ich kommentiere eher das, was mir so passiert. Egal ob auf der Straße oder im Supermarkt.

Sie treten oft in „Schillerstraße“ und in anderen Shows als Gast auf. Kommen die Gags von Ihnen und nehmen die immer gleichen „Komikertreffs“ nicht etwas überhand?
„Schillerstraße“ ist wirklich komplett improvisiert, da weiß man nur die Ausgangssituation und alles andere entsteht dann spontan auf der Bühne. Das macht mir Spaß und deshalb bin ich da auch häufiger zu Gast. Von den ganzen Panel-Shows hingegen bin ich kein großer Fan. Am Anfang war das ja noch ganz originell, aber jetzt geht das ja runter bis zu Kabel 1, dass sich jeder drei, vier Comedians einlädt, sie an einen Tisch setzt und die sollen dann „spontan“ was Lustiges erzählen.
Da habe ich mich inzwischen total ausgeklinkt.

Können Sie sich vorstellen in der Zukunft als Late Night Talker ihr Geld zu verdienen?
Was mich bei einer Late Night Show abschreckt ist, das man das dann vier Mal die Woche oder so machen muss. Das ermüdet auf die Dauer, wie man ja bei denen sieht, die das momentan machen. Das ist alles nicht mehr so toll, wie es mal war.

Sie sind eingefleischter Hannover-96-Fan. Muss man Masochist sein, um 96er-Fan zu sein?
Man muss nicht, aber es hilft. Aber man kann sich seine Fußball-Liebe nicht aussuchen, mit der Zeit wird man eben demütig. Wenn ich könnte, hätte ich auch lieber einen Verein, bei dem es öfter mal was zu feiern gibt. Da muss es halt reichen, wenn man bei Bayern 1:0 gewinnt.

Sind Sie Bayern-Hasser?
Hasser nicht, aber ich nehme es genüsslich war, wenn sie verlieren und in der Bundesliga gönne ich ihnen jede Niederlage. International sieht es aber schon wieder anders aus. Da drücke ich sogar manchmal die Daumen.

Befürchten Sie, dass Bayern doch noch Meister wird?
Nein, dieses Jahr wird es nicht reichen. Ich hoffe auf Werder Bremen.

Was wollen Sie in Ihrem Leben noch erreichen?
Mein Traum ist es, ein Bundesligaspiel für Hannover 96 zu machen. Ansonsten will ich das, was mir Spaß macht weiter machen. Und ich hoffe, dass es beim Publikum ankommt.

Ist der Bundesliga-Kick realistisch?
Warum nicht. Noch bin ich jung genug und ein Kurzeinsatz würde mir ja schon genügen. Ich glaube für fünf oder zehn Minuten reicht meine Fitness und mein Können. Ich muss ja nicht unbedingt im Champions-League-Viertelfinale auflaufen.



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