Rick Kavanian (38) wurde an der Seite von Michael „Bully“ Herbig berühmt. Zusammen drehten sie „Die bullyparade“, „Der Schuh des Manitu“ und vieles mehr. In „Mord ist mein Geschäft, Liebling“ muss Kavanian zeigen, dass er einen Film auch allein tragen kann.
Wie zufrieden sind Sie mit dem Film und ihrer eigenen Leistung?
Naja, wenn der Abspann läuft, habe ich so ein inneres Grinsen und denke mir, der Film ist echt gut geworden und könnte auch anderen gefallen. Ich bin total glücklich und auch stolz. Ich finde mit Italien, Bud Spencer, Franco Nero und den Dean-Martin-Songs hat der Film einen gewissen internationalen Touch, der hierzulande nicht unbedingt üblich ist.
Wie fühlt es sich an nach Filmen mit Bully Herbig und Christian Tramitz, den alleinigen Hauptdarsteller zu geben?
Das ist ein sehr gutes Gefühl. Ich find’ es schön, wenn man aus einem Ensemble kommt und dann die Möglichkeit hat, mal alleine was zeigen zu dürfen. Mir hat das Riesenspaß gemacht und ich würde jederzeit wieder gerne was alleine machen. Aber ich spiele aber auch immer noch gerne mit den Jungs zusammen.
Was macht Ihnen mehr Freude: vor der Kamera oder mit Ihrem Soloprogramm auf der Bühne zu stehen?
Ich hoffe, dass ich beides parallel machen kann. Mein großer Wunsch ist es, eine Zeit auf Tour zu sein und dann wieder Kino zu machen. Wenn ich den Wechsel hinkriege, dann bin ich am Ziel.
Auf der Bühne und in Ihren Sketchen bilden sie einen weiten Kosmos verschiedener Typen ab. Wo finden Sie die Inspiration dafür?
Es gibt keine einzige Figur, die ich spiele, die ich nicht in meinem Leben getroffen habe oder wenigsten beobachten konnte. Ich sitze nicht vorm Computer und denke mir jemanden aus, der aus dem 24. Jahrhundert kommt, sächselt und einen Unterbiss hat. Es sind alles Figuren, für die es real existierende Menschen als Vorbild gibt.
Kann man als bekannter Comedian denn noch anonymer Beobachter sein?
Wenn ich beobachte, gehe ich ja nicht wie ein Jäger auf die Pirsch. Es sind Momentaufnahmen. Man sieht was und denkt sich, wow das ist es. Es ist, als wenn man ein Foto schießt.
Sie stehen bei „Kosmopilot“ zwei Stunden solo auf der Bühne. Lernen Sie Ihren Text auswendig und improvisieren Sie viel?
Wenn ich mir was wünschen dürfte, wäre mein Traum, auf die Bühne zu gehen, das Publikum zwei Stunden auf höchstem Niveau zu unterhalten und dann zu sagen, Herrschaften, wenn sie jetzt noch Zeit haben, dann kommen wir nun zum geschriebenen Teil. Momentan ist es so, ich habe mein geschriebenes Stück und das versuche ich so genau wie möglich zu spielen. Doch je öfter ich es spiele, desto sicherer wird man und man hat mehr Möglichkeiten, auf Dinge im Publikum zu reagieren oder sich mit dem einen oder anderem zu unterhalten.
Wie wird man eigentlich Komiker?
Oh, keine Ahnung. Mein Berufswunsch war, nach der Schule Kinderarzt zu werden. Doch zu der Zeit kannte ich Bully schon. Und der wollte Regisseur werden. Der hat damals auch nicht gesagt, ich will Komödien machen. Und dann sind wir Ende 1990 zusammen bei Radio Gong gelandet, und da ging’s mit lustigen Geschichtchen los. Nebenbei habe ich noch Politik studiert, doch nach neun Semestern habe ich gemerkt, das ist es nicht. Dann bin ich mit 24, 25 auf die Schauspielschule gegangen. Und eigentlich habe ich erst dort so richtig entdeckt, dass ich ein Talent und eine Neigung zum Komischen habe.
Wie viel ist bei Ihnen Talent und wie viel harte Arbeit?
Schwer zu sagen. Aber Talent ist nachweislich nichts, wenn man es nicht regelmäßig trainiert und kultiviert.
Sie sind aber kein trauriger Clown?
Nein, dem Klischee entspreche ich überhaupt nicht. Es gibt sicher mal Tage, an denen bin ich etwas ruhiger oder auch mal traurig. Aber ich bin von Haus aus jemand, der gerne lacht und der gerne mit fröhlichen Menschen zusammen ist. Ich freue mich, wenn die Menschen um mich herum gute Laune haben. Aber ich muss nicht regelmäßig Witze erzählen und im Mittelpunkt stehen. Mir muss man das Rampenlicht nicht hinterhertragen.
Harald Schmidt sagte mal, die besten Komiker sind die, die als Kind gehänselt wurden und sich mit Humor wehren mussten …
Auch das trifft auf mich nicht zu. Ich wurde als Kind vielleicht gehänselt, weil ich sehr angepasst war. Ich war damals mehr der Typ Schleimer, und da ist man ein gefundenes Fressen für die Mitschüler, die „obercool“ sind. Das hat sich dann mit 16, 17 gewandelt. Aber richtig wehren musste ich mich nie, ich war halt einer unter vielen.
Was sind Ihre nächsten Pläne?
Ab April drehe ich mit Christian „Jerry Cotton“, und im Sommer schreibe ich mein neues Soloprogamm, das im Oktober Premiere haben soll.
Interview: Michael Kubath