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Interview mit Uwe Ochsenknecht
Foto: Uwe Ochsenknecht
„Die Komödie liegt mir am besten“
Wenn man in Deutschland von Schauspiel-Stars spricht, darf in der Aufzählung niemals der Name Uwe Ochsenknecht fehlen. Der Wahl-Münchner war mit Jürgen Prochnow in „Das Boot“, zeigte mit Heiner Lauterbach wie „Männer“ so ticken und spielte in „Schtonk!“ Götz George an die Wand. International machte er sich mit „Dune – der Wüstenplanet“ an der Seite von William Hurt einen Namen und sah sich „Luther“ (2003), Joseph Fiennes entgegen. Seine Rolle im der neuen TV-Komödie „Tollpension“ mag keine Wellen schlagen, ist aber so ätzend genial wie Ochsenknechts Ruf. Ob er wohl beim Interview zickig sein würde? Der Mann zeigte sich bestens gelaunt, in Plauderstimmung und schickte ein erfrischendes und gut eingebayerischstes „Servus“ durch die Telefonleitung zwischen Hamburg und München.

Sind Sie heimlich ebenso spießig wie Kurt Mahlström, ihre Figur in „Tollpension“?
Hm, ich weiß nicht, was spießig eigentlich bedeutet. Wenn Spießigkeit heißt, mit dem Leben abgeschlossen zu haben, weil man ein Häuschen gebaut oder eine Eigentumswohnung gekauft und Aussicht auf Rente in 20 Jahren hat. Wenn man alles auf Sicherheit plant und sich dann wundert, wenn der Plan nicht aufgeht und sogar daran zerbricht. Wenn das bedeutet, ein Spießer zu sein, bin ich es nicht. Aber meinem Charakter gemäß mag ich eine gewisse Struktur, was den Alltag betrifft. Ich habe meine Regeln, wie viel Stunden Schlaf ich brauche, dass ich joggen gehe. Das hat aber auch nichts mit Spießertum zu tun. Aber wenn man ein Scheuklappenleben führt, nicht links und rechts guckt und nicht neugierig bleibt im Leben und nicht tolerant bleibt, finde ich das ziemlich schlimm.

Wie ist es für Sie zu sehen, dass Ihre Söhne Wilson Gonzalez und Jimi Blue den gleichen Weg wie Sie einschlagen? Sind Sie stolz auf Ihre Leistungen oder der große Kritiker?
Ach wissen Sie, stolz ist man auf einen Gegenstand. Stolz ist der falsche Begriff. Ich bin glücklich, wenn es den Kindern gut geht, wir ein gutes Verhältnis haben und sie gesund sind. Ich finde, sie machen ihre Sache gut, aber ich habe nichts dazu beigetragen. Stolz kann ich sein, wenn ich z.B. unter schwierigen Bedingungen etwas geschafft habe, wo ich selbst nicht mehr richtig daran geglaubt habe. Hat also immer etwas mit Selbstlob zu tun. Auf was soll ich bei einem Kind stolz sein? Darauf, dass ich es gemacht habe? Mit dem Wort Stolz kann ich im Zusammenhang mit meinen eigenen Kindern nichts anfangen.

Sie haben in Filmen fast jedweden Genres gespielt. Wie wäre es als nächstes mit einem Splatterfilm?
Splatterfilme, wie Kettensägenmassaker“ oder „Freitag, der 13“ wären mir zu doof. Sobald man offene Adern sieht, ist das nichts für mich. Horror wäre etwas anderes. So einen richtigen Horrorthriller fände ich schon spannend. Nur muss man leider sagen, dass es in deutschen Landen nicht so die Horrortalente für Regie und Buch gibt. Ich glaube aber sowieso, dass mir die Komödie am besten liegt.

Sie sind auch Musiker. Haben Sie mit dem Gedanken gespielt, einen Song zur WM aufzunehmen?
Nee. Ich nehme Musik ernst und versuche nicht über sie einen noch größeren Bekanntheitsgrad zu erlangen oder 2 Euro 50 dazuzuverdienen. Einen WM-Song macht man, wenn überhaupt, wenn man einen Auftrag von entsprechender, offizieller Stelle bekommt. Das wäre eine ganz andere Herausforderung, als wenn jeder kleine Schlagerfutzi ein WM-Tralala-Schunkellied rauspowert.

Ich habe über Sie gelesen…
…das stimmt meistens nicht.

Stimmt es, dass Sie 1978 eine kleinere Rolle in einem US-Film übernommen haben?
Ja, da bin ich sehr gut in dem Film, da bin ich rausgeschnitten worden.

Oh. Sie hatten aber auch später nie Ambitionen, in Hollywood zu arbeiten?
Doch, als Schauspieler in einem gewissen Alter hat das jeder. Nach „Männer“, der in den USA sehr gut lief, hatte ich Kontakt zu entsprechenden Agenten, aber ich hätte mehr oder weniger wieder von Null anfangen müssen. Da meine Karriere aber durch "Männer" in Germany gerade richtig ins Rollen kam, wäre es natürlich aüßerst unklug gewesen in dem Moment Deutschland zu verlassen. Damals und heute schwingt leichte Häme mit, wenn man probeweise nach Hollywood geht. „ Der kommt wie alle anderen eh wieder zurück“, wird dann gemunkelt.

Haben Sie schon eine Biografie veröffentlicht?
(lacht) Nee. Dazu bin ich noch zu jung. Vielleicht mit 70 oder so. Wenn man keinen Bock mehr hat und einen alle mal können. Man muss immer überlegen, für wen man eigentlich eine Biografie schreibt. Für mich selber find ich das ganz interessant. Aber wer will denn so was sonst lesen? Ich würde vorher vom Verlag eine Marktforschung machen lassen, um rauszukriegen, ob es Leute gibt, die das interessiert. Ich schreib doch kein Buch und mach’ mir die Arbeit für andere, die sich dann nur belästigt fühlen.



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