97 Prozent nichts Neues am Tag
Mit der Serie "Danni Lowinski" feierte sie große Erfolge, die neue Impro-Comedy "Wir müssen reden!" bringt sie an der Seite von Cordula Stratmann ("Schillerstraße") zum Strahlen: Annette Frier (* 22. Januar 1974 in Köln) ist guter Dinge …
Wie improvisiert ist die Impro-Comedy "Wir müssen reden!" mit Cordula Stratmann? Wie läuft so ein Dreh ab?
Cordula und ich kommen nachmittags ans Set, erfahren das Thema und ob ein Gast da ist, wie etwa Bastian Pastewka. In der Maske habe ich dann die Möglichkeit mir ein paar Gedanken zu machen… Was nicht heißt, dass ich die auch immer umsetzen kann. Es sei denn, ich habe mir eine Background-Geschichte zurecht gelegt…
Sprechen Sie dann noch mit Cordula?
Wir besprechen eigentlich nur, mit welchem Thema wir in das Lokal gehen. Das sind am besten alltagstaugliche Themen wie "Ich bin geblitzt worden", "Woher hast du die Schuhe?" oder "Ich hab mein Kind vom Kindergarten abgeholt und die haben mich schon wieder gefragt, wo der Vater ist"… Aber das ist nur zum Aufwärmen, bevor die Kamera läuft.
Wie lange dauert der Dreh?
Wir nehmen etwa das Doppelte von dem auf, was ausgestrahlt wird. Für 23 Minuten Sendung drehen wir eine gute Stunde.
Was? Das reicht schon?
Klar. Es ist ein bisschen wie beim Fußball. Wir haben eine Mini-Halbzeitpause, in der wir uns besprechen, überprüfen, wo die Geschichte bisher lang gelaufen ist, welche Wendungen wir noch nehmen können. Es geht nicht darum, dass wir ein privates Gespräch führen. Wir wollen eine schöne Geschichte erzählen.
Ist der Italiener, in dem sie beide sitzen, eigentlich echt?
Das Lokal gibt es wirklich. Wir drehen im "Trinachria" in Köln. Der Italiener ist optimal für unsere Zwecke. Und lecker…
Essen Sie denn, was sie bestellen?
Natürlich! Es kocht ja auch der Original Koch. Allerdings haben wir nur eine begrenzte Speisekarte und dürfen wegen der Komparsen, die da sitzen und netterweise auch Essen bekommen, nur zwischen drei oder vier Gerichten wählen.
Wie viel steckt von Annette Frier in Annette von "Wir müssen reden!"?
Es ist kein Zufall, dass die Figur Annette heißt. Bei dieser Art von Improvisation, die ich mit Cordula mache, stammt viel aus unserem gemeinsamen Timing, aus unserer gemeinsamen Sprache, dem Humor, den wir voneinander ablösen. Deswegen hat diese Figur viel von meinem Temperament. Wir haben aber ganz bewusst andere Biografien und Berufe genommen. Es geht ja nicht um Cordula und Annette privat. Ich wollte schon immer eine Physiotherapeutin spielen und Cordula eine Hörbuch-Redakteurin (lacht).
Wie kommen Sie mit Cordula Stratmann klar?
Ganz schlecht! Wir sehen uns nur, wenn es gar nicht anders geht, und auch das versuchen wir zu vermeiden. (lacht) Nein, sie ist eine sehr gute Freundin.
Sagen Sie, reden Sie privat auch gern viel?
Da könnte ich verschiedene Antworten darauf geben. (lacht)
Ach so? Und die wären?
Ich rede manchmal gerne wenig. Wenn ich nichts zu sagen habe, rede ich hoffentlich nicht. Ich rede tendenziell mehr als wenig, aber ich habe das Gefühl, dass ich es mitkriege, wenn ich lieber die Klappe halten sollte.
Reden Frauen mehr als Männer?
Wenn es um dieses Vorurteil geht, dass Männer als ruhige Kandidaten daneben sitzen, wenn Frauen labern, stimmt das schon. Andererseits: Fußball ist doch das beste Beispiel für männlichen Tratsch! Das ist genau das gleiche – es geht um nichts! Um elf Männer, die versuchen einen Ball in ein Netz zu hauen – ein albernes und zugegeben auch schönes Spiel.
Also gar kein Unterschied?
Männer verzweifeln oft über Beziehungsgespräche unter Frauen, die alles genau wissen wollen – was hat er gesagt, was hat sie gesagt und so weiter und so fort. Aber dann sitzen sie da und können über Stunden ein Fußballspiel durchexerzieren. Geklatscht wird also bei Männern wie bei Frauen. Das ganze Leben ist zu 97 Prozent Tratsch. Man erfährt nur selten wirklich neue Dinge und erhellende Wahrheiten. 97 Prozent nix Neues am Tag.
Ihre Serie "Danni Lowinksi" ist relativ überraschend zu einem Hit auf SAT.1 geworden. Was glauben Sie: Woran liegt's?
Ich denke, es liegt an der fantastischen und attraktiven Hauptdarstellerin! (lacht) Es ist eine tolle, den Zeitgeist berührende Serie. Das sehe ich an den Reaktionen, die ich von den Leuten bekomme. Sie interessieren sich für das Thema.
Verfolgen Sie die Einschaltquoten? Lassen Sie sich von guten bzw. schlechten Zuschauerzahlen beeinflussen?
Die Quoten interessierten mich nur so lange, wie die zweite Staffel von "Danni Lowinski" in der Schwebe war. Seit ich weiß, dass es weiter geht, habe ich keine Quote mehr verfolgt. Ich finde diese Diskussion schwierig. Denn seien wir mal ehrlich – es läuft ja auch viel Schrott gut.
Sie spielen viel Theater, haben da auch ihre Wurzeln. Wie kamen Sie zur TV-Komödie?
Es hat sich so ergeben und ich mache es wahnsinnig gerne. Allerdings finde ich Komödie enorm viel schwieriger als alles andere. Es ist leichter Menschen zum Heulen, als zum Lachen zu bringen. Mit der Schublade Fernseh-Komödien-Nase kann ich gut leben, weil ich weiß, dass ich auch mein Theater habe.
Welche Art von Komödie – Impro, mit Masken, nach Drehbuch – ist Ihnen am liebsten?
Ich mag es am liebsten, wenn es läuft, wenn der Ball rollt. Das weiß man nur vorher nie. Erst hinterher ist man viel schlauer.
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