Original-Titel: Erwin Pelzig: Weg von hier
Ende: 02:05
Laufzeit: 90 Minuten
Show, D 2019
Regie: Volker Weicker
StereoBreitbildformat 16:9
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00:35 Erwin Pelzig: Weg von hier - 3satFestival Mainz

Heute | 3sat | 00:35 - 02:05 | Show
3sat

"Weg von hier" - mit diesen Worten beginnt so manche Flucht. Auch die aus der harten Realität in die virtuellen Filterblasen der Gleichdenkenden. Frank-Markus Barwasser lässt sein Alter Ego Erwin Pelzig an den Schutzmauern von Klischees, Ignoranz und Vorurteilen rütteln. Dahinter lauern Abgründe, aber auch neue Erkenntnisse. Eine davon: Wissen ist ein guter Anfang, um geistige Fluchtursachen zu bekämpfen. Eine Flucht ist keine Reise. Wohin sie führt, ist erst mal zweitrangig. Hauptsache: Weg von hier! Wer von Flucht spricht, denkt an Krieg, Vertreibung und Verfolgung. An die "Flüchtlingskrise" und an den Traum von einem besseren Leben. Flucht ist, wenn alles besser scheint als der Status quo. Mancher flüchtet gar, ohne sich zu bewegen. So war es schon immer: Als die Aufklärung viele Menschen überforderte, folgte eine kulturelle Flucht in die Romantik. Heute bieten uns Medien, soziale Netzwerke und virtuelle Filterblasen mehr Zufluchtsorte denn je. Es sind scheinbare sichere Orte, eine gefühlte Wirklichkeit der Gleichdenkenden. Schutzräume vor einer globalisierten Welt, einer manchmal unerträglich komplexen Realität. In diesem Rückzugsräumen herrscht jedoch ein gefährliches Klima. Abschottung kann nicht die Lösung sein, findet Frank-Markus Barwasser, und schickt sein Alter Ego Erwin Pelzig auf den Weg, die Flucht-Ursachen zu bekämpfen. Es ist eine scharfsinnige, brutale, tragikomische Reise. Was er findet, sind tiefe Abgründe, erschreckende Zusammenhänge, aber auch jede Menge hilfreicher Erkenntnisse. Auf seine unnachahmliche Art erzählt die Kunstfigur mit Hut und Handtasche scheinbar naiv und umso präziser aus der großen weiten Welt von Korruption, Lobbyismus, Populismus und krachender Dummheit. Frank-Markus Barwasser ist einer der großen Aufklärer unserer Zeit, ohne jemals zu belehren. Sein Pelzig ist das trojanische Pferd, mit dem er sich hinter die Grenzen allzu bequemer Denkmuster schleicht und dann pointenreich zuschlägt. 90 Minuten nimmt er das Publikum mit auf die Reise, immer unterwegs, und doch ganz im Hier und Jetzt.