Original-Titel: #mymusicaldiary
Ende: 09:55
Laufzeit: 60 Minuten
Dokumentation, D 2020
Regie: Claus Wischmann, Isabel Hahn
StereoUntertitel
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08:55 #mymusicaldiary

12. Juli | WDR | 08:55 - 09:55 | Dokumentation
WDR

Was soll man machen, wenn die Kultur zum absoluten Stillstand kommt, Theater, Kinos und Konzertsäle auf unbestimmte Zeit schließen, Festivals abgesagt werden und sogar gemeinsames Musizieren unter Virenverdacht steht. Musiker, Tänzer und Komponisten erzählen per Videotagebuch aus ihrem Alltag. Sie setzen musikalische Zeichen gegen die Angst, die Ungewissheit, die Langeweile oder kämpfen schlichtweg um ihre Existenz. Ute Lemper zeigt ihr Leben mitten im Corona-Hotspot New York, wo sie zusammen mit vier Kindern und ihrem Mann wohnt. Aus dem Wohnzimmer gibt sie ein Carnegie-Hall Konzert und läuft durch die leeren Straßen von Manhattan. Der Komponist Hauschka arbeitet an der Musik für einen Film des Schauspielers Bjarne Mädel und einem großen Netflix-Spielfilm, der eigentlich in Island produziert werden sollte. Stattdessen bleibt Hauschka in Düsseldorf und badet in Tischtennisbällen statt in den heißen isländischen Quellen. Der Trompeter Simon Höfele produziert in seiner winzigen Wohnung ausgeklügelte Multikamera-Clips, um nicht völlig durchzudrehen, während sich der Cellist Johannes Moser von Mecklenburg-Vorpommern über Bayern bis nach Wien durchschlägt. Ähnlich wie Höfele geht es den frisch verlobten Tänzern Eric White und Feline van Dijken in Düsseldorf, die eigentlich geplant hatten im Sommer zu heiraten. Auf Spitzenschuhen müssen sie sich in ihrer 5qm-Küche arrangieren, denn die Proben mit dem Choreographen Martin Schläpfer finden per Videokonferenz statt. Für die schwarze Gitarristin und Sängerin Judy Bailey geht es um die Existenz als Musikerin. Zusammen mit ihrem Mann und ihren Kindern gibt sie Küchenkonzerte und verkauft dabei CDs. Der Recklinghausener Liedermacher Sebel beobachtet dagegen mit wachsender Begeisterung die rasant steigenden Clickzahlen seines Corona-Songs, der auch international in vielen Sprachfassungen adaptiert wird. Für freiberufliche Sänger wie den Kölner Tenor Robert Reichinek sind rund um Ostern die wichtigsten Einnahmen des Jahres ausgefallen. Während er überlegt, Hartz IV anzumelden, hat sich die erfolgreiche Sopranistin Marlis Petersen allein nach Griechenland zurückgezogen und beobachtet von da aus das Geschehen. Ein Film geschnitten aus user generated content, aus den Videotagebüchern der Künstler selbst. Viele ganz persönliche Beobachtungen, die sich zu einem dichten Netz aus Emotionen und Erfahrungen verweben. Dabei lauert die aktuelle Situation ständig im Hintergrund, die Verbreitung des Coronavirus, die Maßnahmen der Regierungen, der Lockdown und die ständige Hoffnung auf Lockerungen. So entsteht ein gemeinsames und doch ganz persönliches Dokument dieses weltumspannenden Ereignisses, dessen Ausgang ungewiss ist.