Original-Titel: Vietnam in einem Zug
Ende: 16:15
Laufzeit: 40 Minuten
Dokumentation, D 2009
Stereo
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15:35 Vietnam in einem Zug - Eine Reise mit den "Moritzburgern"

Morgen | 3sat | 15:35 - 16:15 | Dokumentation
3sat

1700 Kilometer lang ist die Strecke von Hanoi nach Ho-Chi-Minh-Stadt. 40 Stunden braucht der Zug dafür. Die Vietnamesen nennen ihn "Wiedervereinigungsexpress". In Hanoi ist Tran Duong eingestiegen, ein älterer Herr. Auf der Fahrt durch Reisfelder, entlang des blauen Meeres, vorbei an grauen Bergen, erzählt er von seinem Leben und seiner Liebe zu deutscher Literatur. Tran Duong hat Goethes Gedichte ins Vietnamesische übertragen und Bücher über Heinrich Heine geschrieben. Während des Vietnamkrieges war Tran Duong Frontberichterstatter; Kim Huang, die zierliche Dame neben ihm, Nachrichtensprecherin beim Radio. Sie ist etwa gleich alt. Ihre Feinmechaniker-Lehre hat sie in Dresden absolviert. Lesen und schreiben lernte sie im benachbarten Moritzburg, genau wie Tran Duong. Die beiden sind unterwegs nach Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon, zu einem Treffen mit anderen "Moritzburgern". Mehr als 50 Jahre ist es her, dass in Dresden und der kleinen sächsischen Gemeinde rund 350 vietnamesische Kinder verdienter Kämpfer gegen die französische Kolonialherrschaft eine Schul- und Berufsausbildung erhielten. Fast alle haben später in ihrer Heimat Karriere gemacht. Der Zug hält in der alten Kaiserstadt Hue. Ganz in der Nähe, am 17. Breitengrad, befand sich die Grenze zwischen Nord- und Südvietnam. Wo einmal schwerste Kämpfe tobten, zeigt heute geschäftiges Treiben: Das Land befindet sich im Umbruch. In Hoi An und an den Stränden von Da Nang blüht der Tourismus. Auch viele Kriegsveteranen aus den USA kommen in den Süden und kriechen dann zusammen mit ehemaligen Partisanen durch die Tunnel von Cu Chi. Die Fahrt endet im Bahnhof von Ho-Chi-Minh-Stadt. Es ist heißer, lauter, voller als in Hanoi: Shoppingcenter, Banken, eine Skyline wie überall auf der Welt. Doch neben der Coca-Cola-Werbung hängen politische Parolen. Oben weht die rote Fahne, unten tobt das Business. Die Vietnamesen kriegen das alles unter einen Hut - lächelnd, versteht sich.