Karl IV. und der Schwarze Tod
Original-Titel: Die Deutschen
Ende: 13:30
Laufzeit: 45 Minuten
Geschichtsdoku, D 2010
Regie: Christian Twente
Staffel: 2 / Folge: 4
FSK: 12
Sendung merken   Teilen        

12:45 Die Deutschen II

28. Dezember | Phoenix | 12:45 - 13:30 | Geschichtsdoku
Phoenix

Die Regierungszeit Karls IV. zählt zu den dramatischsten Epochen der Geschichte. Die Mitte des 14. Jahrhunderts wird zur Schreckenszeit: Die Pest rafft ein Drittel der Deutschen dahin. Unter Karl IV. erlebte Mitteleuropa eine kulturelle Blüte. Doch die Zeit stand auch im Schatten der Pest. Schuldige waren rasch gefunden: Als "Brunnenvergifter" wurden Juden für die verheerende Seuche verantwortlich gemacht und zu Tausenden verbrannt. Karl IV. entstammte der Dynastie der Luxemburger und wurde 1316 in Prag geboren. Sein Vater Johann hatte eine böhmische Prinzessin geheiratet und war dadurch einer der mächtigsten Männer im Reich geworden. 1346 gelang es dem ehrgeizigen Luxemburger durch die Zahlung horrender Bestechungsgelder, seinen Sohn Karl als Gegenkönig zum amtierenden Ludwig dem Bayern wählen zu lassen. Karls Position im Reich war zunächst schwach, aber durch den plötzlichen Tod Ludwigs wenige Monate nach der Wahl änderte sich die Lage. Durch geschicktes politisches Taktieren, strategische Eheschließungen und nicht zuletzt durch die Veräußerung königlicher Privilegien sorgte Karl IV. für Frieden und konsolidierte seine Herrschaft. Als das Reich im Innern gefestigt war, brach er 1354 zu einem Italienzug auf und errang die Kaiserkrone. Kurz danach hielt er einen Reichstag in Nürnberg ab, bei dem die Modalitäten der Königswahl ein für alle Mal festgeschrieben werden sollten. Das Ergebnis der Verhandlungen zwischen Kaiser und Fürsten ging als "Goldene Bulle" in die Geschichte ein und wurde am 10. Januar 1356 öffentlich in Nürnberg verkündet. Die Goldene Bulle legte fest, dass zukünftig drei Erzbischöfe und vier weltliche Fürsten den König mit einfacher Mehrheit wählen sollten. Eine Art "Grundgesetz" des Heiligen Römischen Reiches entstand, das bis zu seinem Untergang 1806 gültig blieb. Die Regierungszeit Karls IV. stand im Schatten der schlimmsten Katastrophe des Mittelalters, der Pest. "Schuldige" waren schnell gefunden: die Juden. Als Geldverleiher waren sie zwar unverzichtbar für die mittelalterliche Wirtschaft, aber gleichzeitig verhasst und sozial ausgegrenzt. Dass mit den Juden oft auch ihre Schuldscheine verbrannt wurden, wirft ein bezeichnendes Licht auf die wahren Motive der Täter. Kaiser Karl IV. versagte in der königlichen Pflicht, seine Untertanen vor den Übergriffen zu schützen, und profitierte sogar von der Ermordung der Juden.

Schauspieler

Karl IV.Christoph Jacobi
NarratorHans Mittermüller
Himself - HistorianBernd Schneidmüller
Himself - HistorianStefan Weinfurter
Himself - HistorianJohannes Heil