Original-Titel: Home Sweet Home - 40 Jahre Frauenhausbewegung
Ende: 12:30
Laufzeit: 50 Minuten
Dokumentation, D 2019
Stereo
Sendung merken   Teilen        

11:40 Home Sweet Home - 40 Jahre Frauenhausbewegung

06. März | 3sat | 11:40 - 12:30 | Dokumentation
3sat

1978 wurde in Wien das erste Frauenhaus eröffnet. Der Film von Susanne Riegler blickt zurück auf 40 Jahre Frauenhausbewegung und erzählt die Geschichte der Frauenhäuser in Österreich. Vor allem die Gespräche mit den Verzweifelten, die oft mit ihren Kindern in einem der Frauenhäuser Schutz gesucht und bekommen haben, machen den Film zu einem eindrücklichen Zeitdokument. Das bis Mitte der 1970er-Jahre geltende Familienrecht in Österreich stammte von 1811: Der Mann war das Oberhaupt der Familie und behielt die Obsorge für die Kinder auch nach einer Scheidung. Die Frau hatte meist kein eigenes Einkommen und konnte sich eine Trennung schlicht nicht leisten. Vergewaltigung in der Ehe war nicht strafbar, was innerhalb der eigenen vier Wände passierte, galt als Privatangelegenheit. Es gab keine Statistiken zum Thema Gewalt, keine Forschung, keine Publikationen. In diesem gesellschaftlichen Klima wurde 1978 in Wien das erste Frauenhaus eröffnet. Obwohl viele Menschen in Österreich der Meinung waren, dass es Gewalt gegen Frauen in der Familie nicht gibt, gelang es einer Gruppe von Studentinnen der Sozialakademie mithilfe engagierter Politikerinnen, wie Johanna Dohnal und Irmtraut Karlsson, das Projekt Frauenhaus auch in Österreich zu starten. Schon vor der offiziellen Eröffnung fanden dort Frauen und deren Kinder, die dringend Schutz und Unterstützung brauchen, eine Unterkunft. ORF-Journalistin Susanne Riegler trifft die Protagonistinnen der ersten Stunde, Pädagoginnen und Psychologinnen, die in den österreichischen Frauenhäusern arbeiten, und Betroffene. Laut Statistik ist jede fünfte Frau in Österreich von Gewalt durch ihren Partner oder Ehemann betroffen. In den Interviews wird die gesellschaftspolitische Dimension der Frauenhausbewegung greifbar. Für die betroffenen Frauen beginnt in dem Moment, in dem sie Zuflucht und Schutz in einem Frauenhaus suchen, oft ein komplett neues Leben - ein Leben, das mithilfe der Frauenhausmitarbeiterinnen auf ein neues Fundament gestellt wird. Und zwar nicht nur materiell. Diesen enormen Kraftakt beiderseits, der nach außen hin praktisch nicht wahrgenommen wird, macht der Film nachvollziehbar.