Original-Titel: die nordstory
Ende: 15:15
Laufzeit: 60 Minuten
Regionalreportage, D 2014
StereoUntertitel
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14:15 die nordstory - Fährgeschichten

08. Mai | NDR | 14:15 - 15:15 | Regionalreportage
NDR

"die nordstory" erzählt Fährgeschichten aus Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern: Hamburg Der Hafen in Hamburg erwacht mit Ernst Ibendahl. Um 5 Uhr morgens macht er sein Fährschiff klar, mit dem er später die Elbe hochschippern wird. Der über 60-jährige Schiffsführer transportiert mit der Linie 62 die meisten Fahrgäste im Hamburger Hafen. Jedes Jahr fahren mehr als vier Millionen Menschen mit ihm. Morgens sind es Berufspendler, die vom Alten Land oder Finkenwerder aus in die Hamburger Innenstadt müssen. Später sind es dann vor allem Touristen, die eine der schönsten Strecken durch den Hamburger Hafen bewundern wollen. Ernst Ibendahl startet um 5.30 Uhr an den St. Pauli Landungsbrücken. Den Fischmarkt lässt er auf seiner Tour rechts liegen, fährt weiter geradeaus am Elbstrand in Övelgönne vorbei und überquert dann den Hamburger Hafen, um die Fahrgäste in Finkenwerder einzusammeln. Seit über 30 Jahren macht er das jetzt. Wenn rechts von ihm die großen Containerriesen vorbeiziehen, packt ihn schon manchmal die Wehmut. Mit 16 Jahren fuhr Ernst Ibendahl zur See. Als Matrose hat er erst auf einem Lazarettschiff in Vietnam gearbeitet, bevor er sein Patent als Kapitän gemacht hat. Jetzt schippert er wieder im ruhigen Fahrwasser, um seiner Familie näher zu sein. Doch auch hier ist sein Arbeitstag nie eintönig, weil sich der Hamburger Hafen ständig verändert. Einen noch schöneren Ausblick von ihrem Fahrgastschiff aus haben nur Stefan Sing und Jasmin Dressen. Ihre Schicht beginnt um 12.45 Uhr. Der Schiffsführer und die Decksfrau pendeln tagtäglich zwischen Blankenese und Cranz. Die Fährverbindung gilt als die älteste in Hamburg. Die Fahrzeiten sind von der Tide abhängig und nur sehr erfahrene Schiffsführer dürfen die Fähre steuern. Stefan Sing ist einer davon. Trotzdem hat er sein Schiff bei Niedrigwasser schon mal festgefahren. Es blieb fast eine ganze Schicht lang im Schlick stecken. Jasmin Dressen und Stefan Sing kennen die meisten Fahrgäste persönlich. Viele von ihnen sind Berufspendler: eine Apothekerin, Putzfrauen, Werftarbeiter und der Blankeneser Fischer Jürgen. Die Fährverbindung ist längst kein Geheimtipp mehr. An den Wochenenden ist die Fähre oft bis auf den letzten Platz besetzt. Dennis Dreher sieht die meisten seiner Fahrgäste nur einmal. Er steuert den Fährshuttle zum bekannten Musical "König der Löwen" im Theater im Hafen. Um 18 Uhr bringt er die ersten Besucher auf die andere Elbseite, auch wenn die Vorstellung erst um 20 Uhr beginnt. Hier drängeln sich die Fahrgäste an den Landungsbrücken nicht wie bei der Linie 62 auf die Fähre, hier stehen sie ordentlich in Zweierreihen nebeneinander. Dennis Dreher meint, dass das an der schicken Kleidung liege. "Kaum sind die Menschen anders angezogen, sind sie auch anders drauf." Die ersten Besucher muss er schon in der Pause wieder abholen. Es sind vor allem Kinder, die ins Bett müssen, oder ältere Leute, denen die Vorstellung zu laut ist. Dennis ist am längsten im Hamburger Hafen unterwegs. Erst eineinhalb Stunden nach der letzten Vorstellung, wenn der Mond im Hamburger Hafen schon längst aufgegangen ist, macht er Feierabend. Niedersachsen Tjark Beckmann ist der schnellste Fährkapitän an der ostfriesischen Nordseeküste und fühlt sich damit manchmal wie der "Hecht im Karpfenteich". Er ist nämlich der Kapitän des Katamarans MS "Nordlicht". In der Hochsaison fährt er mit dem 5.000-PS-starken Passagierschiff bis zu viermal täglich zwischen Emden und Borkum hin und her. Dabei kann er jedes Mal bis zu 270 Gäste mitnehmen. Die "Nordlicht" ist inzwischen mehr als 25 Jahre alt, fast genauso lange steht Tjark Beckmann auf der Brücke des Wellenflitzers. In seiner Freizeit dreht sich bei dem Kapitän vieles um die Musik. Zusammen mit seiner Ehefrau spielt er sowohl im Posaunenchor als auch im Musikzug der Feuerwehr. - Fährgeschichten