Original-Titel: Komm in den Garten
Ende: 00:35
Laufzeit: 90 Minuten
Dokumentation, D 1990
Stereo
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23:05 Komm in den Garten - Dokumentarfilm von Heinz Brinkmann und Jochen Wisotzki

Heute | RBB | 23:05 - 00:35 | Dokumentation
RBB

Alfred schaffte es bis zum stellvertretenden Chefredakteur beim Berliner Verlag. Besonders blieb ihm ein Interview mit dem Ministerpräsidenten Otto Grotewohl in Erinnerung, der ihm riet: "Habe deine Zweifel!" Alfred geriet Zug um Zug in die Zwickmühle von Aufbegehren und Alkoholismus, wurde in Gefängnisse und Psychiatrie Buch gesteckt. So landete er schließlich beim Straßenfegen in der Friedrichstraße. Dort lernte er Gisela kennen; der raue Umgangston zwischen den beiden irritiert genauso wie Alfreds traurige Kommentare zu den Umbrüchen im Land. Auch der Maler Dieter mit dem roten Vollbart hat mehrfach im Gefängnis gesessen, doch er resümiert: "Ich habe mir meine Träume im Leben bewahrt". Nun bereitet er sich auf eine Hochzeit mit Tanja aus Moskau vor. Der jüngste der drei Freunde ist Michael, der in den 1970er Jahren in Moskau internationale ökonomische Beziehungen studierte. Nur drei Monate vor dem Abschluss seiner Diplomarbeit kam es zum Eklat mit Mitarbeitern des DDR Außenhandelsministeriums und zur Exmatrikulation, denn Michael wollte deren Anliegen nicht zustimmen: "Wollt ihr, wenn wir wollen, dass ihr nickt". Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten lebt Michael vom Verkauf seiner selbst gebastelten Kugellampen; die bietet er auf der Straße vor dem S-Bahnhof Schönhauser Allee an. Seit 1988 ist er mit der Leipzigerin Sabine verheiratet, die er nach einer "Gin-Therapie" kennen lernte. Auch die Beziehung dieses Paars ist durch Alkoholismus belastet. 40 Jahre DDR-Geschichte im Spiegel dreier Einzelschicksale. Tragik und Komik, Zorn und Zärtlichkeit prägen die Szenen des Films. Äußere und innere Bedingungen werden reflektiert, die in der Schizophrenie der Gesellschaft zwischen humanistischem Anspruch und praktizierter Bevormundung ins soziale Abseits führten. DEFA 89 zeigt 5 Dokumentarfilme, die zwischen Herbst 1989 und Frühjahr 1990 entstanden. Diese Filme spiegeln die Ereignisse jener Monate authentisch und erregend. Der Vorstand der DEFA-Stiftung Ralf Schenk: "Das Ende der Diktatur hatte auch für die DEFA das Tor zu mehr Wahrheit aufgestoßen. Regisseurinnen und Regisseure nutzten die neu gewonnenen Freiräume und schufen Filme, die den Moment für die Ewigkeit aufbewahrten. Bilder, die sich in die Erinnerung eingraben, voller Kraft und Poesie." Die Reihe wurde gemeinsam mit der DEFA-Stiftung kuratiert, die ca. 2000 Dokumentarfilme und 2500 Wochenschauen in ihrem Archiv hat.