Original-Titel: 30 Jahre Mauerfall - Joachim Gaucks Suche nach der Einheit
Ende: 10:30
Laufzeit: 75 Minuten
Gesellschaftsreportage, D 2019
Folge: 244
Stereo
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09:15 30 Jahre Mauerfall - Joachim Gaucks Suche nach der Einheit

Heute | ZDFinfo | 09:15 - 10:30 | Gesellschaftsreportage
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Die deutsche Wiedervereinigung war ein Glücksfall der Geschichte. Die Folgen der Teilung sind jedoch bis heute spürbar. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind immer noch nicht angeglichen. 30 Jahre nach dem Mauerfall unternimmt der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck eine Reise durchs Land auf der Suche nach der deutschen Einheit. Nach Jahrzehnten der Trennung leben die Deutschen wieder in einem gemeinsamen Staat - frei und friedlich. Die unterschiedlichen Lebensverhältnisse spiegeln sich auch in den Wahlergebnissen wider: Politisch entwickeln sich Ost- und Westdeutschland unterschiedlich. Wie nah - oder wie fern - sind sich die Deutschen in Ost und West 30 Jahre nach dem Mauerfall gekommen? Auf seiner außergewöhnlichen Reise will Joachim Gauck die Gemütslage der Deutschen in Ost und West in Erfahrung bringen. Im Mittelpunkt steht seine persönliche Bilanz. Er hat die Einheit wie nur wenige Deutsche erlebt und geprägt - erst als Pastor in Rostock 1989/90, dann als Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, schließlich als Bundespräsident. Joachim Gauck trifft Personen, die die Wiedervereinigung ebenfalls aktiv gestaltet haben, etwa beim Einigungsvertrag oder bei der Aufarbeitung des Stasi-Erbes. Und er trifft Personen, die für die aktuelle Angst vor Einwanderern und das wachsende Misstrauen gegenüber Politikern vor allem in Ostdeutschland stehen. Das Erstarken von Pegida und der AfD besorgt Joachim Gauck sehr. Ist die Wiedervereinigung noch immer eine Erfolgsgeschichte? Wie steht es heute um die deutsche Einheit? Die Dokumentation wird zu einer Lehrstunde in Sachen Demokratie, die dem ehemaligen ostdeutschen Pfarrer besonders in der aktuellen politischen Lage wichtig ist. So räsoniert er nach dem Gespräch mit dem Begründer der ostdeutschen Pegida-Bewegung, René Jahn: "Toleranz bedeutet: Du, was Du da sagst, gefällt mir gar nicht. Genau genommen lehne ich das ab. Aber anscheinend ist es Dir wichtig, und solange Du nicht die Gesetze brichst oder den Boden meiner Verfassung verlässt, hast Du Rechte, die ich Dir nicht nehmen möchte". Und Gauck formuliert seine Befürchtung und Erwartung weiter: "Denn ich möchte nicht, dass Du, wenn Du an die Regierung kommen solltest, mir Rechte nimmst, die ich für unglaublich wichtig halte." Joachim Gauck begegnet auf seiner Erkundungsreise durch Ost- und Westdeutschland unter anderen Lothar de Maizicre, Marianne Birthler, seinem Sohn Christian, Pegida-Mitgründer René Jahn, Frauke Petry, Wolfgang Schäuble und dem Schriftsteller Navid Kermani. Die als eine Art Roadmovie von Stefan Lamby und Florian Huber gedrehte Dokumentation setzt sich ebenfalls kritisch mit der Haltung vieler westdeutscher Bürger auseinander. Wie viele Ostdeutsche wehrt sich Joachim Gauck dagegen, die DDR nur als Stasi-Geschichte zu erzählen. Diesen Fehler, einer ganzen Nation praktisch den Stasi-Stempel aufzudrücken, bekämpft er ausdrücklich. Den Wessis schreibt er mit deutlichen Worten ins Stammbuch: "Die Stärkeren tun so - die aus dem Westen -, als wären sie, wenn sie im Osten gewesen wären, die großen Helden gewesen. Das können sie mal wirklich in der Pfeife rauchen. Es gibt keine Charaktermauer zwischen Ossi und Wessi, sondern die Verhältnisse machen aus Leuten das, was sie aus ihnen machen (...). Ein Blick von oben her auf die, die da ja nur die Diktatur zuwege gebracht haben und nichts anderes, der ist wirklich arrogant und zu verachten und vor allen Dingen zu verneinen." Als einer der Höhepunkte der Gauck'schen Erkundungsreise muss die Begegnung mit Frauke Petry gewertet werden. Hier stoßen nicht nur zwei erfolgreiche Ost-Biografien aufeinander. Hier zeigt sich auch, wie Vorurteile, Allgemeinplätze und unwahre Behauptungen zu extremer politischer Orientierung werden können. Und Joachim Gauck hält dagegen. Er entlarvt die Behauptung Petrys, das Volk sei einer politischen Elite ohnmächtig ausgeliefert.

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